Ich wär so gerne Anno Nuehm

Menschenmassen

Foto: © Schemmi / PIXELIO

Leben 232 – Donnerstag, 13.03.08

Ich wär so gerne Anno Nuehm.

Warum?

Weil ich dann wahrscheinlich genauso witzig und kreativ schreiben könnte, wie Anna Nuehm.

Aber Spaß beiseite, jetzt wird es ernst.

Wer anonym unterwegs ist im Netz, der hat es leichter. Sie oder er kann Autobiografisches runterschreiben ohne jede Rücksichten. Ob jemand in der Familie stundenlang versucht hat, mit der Videorecorder-Fernbedienung den Fernseher zu bedienen, das ist nur so lange lustig, so lange man nicht auf der Straße angesprochen wird, etwa so: „Machen Sie sich nichts draus, was Ihr Sohn da in seinem Blog schreibt, ist mir auch schon passiert. Hab’s bloß was schneller gerafft. Hihi. Schönen Tag noch!“ Anmerkung: Natürlich ist dieses Beispiel frei erfunden. Ich bitte um Beachtung!!!

Dass man die Nachbarn dabei beobachtet hat, wie sie ihren Müll in fremde Eimer leeren. Anmerkung: Auch frei erfunden.

Aber jetzt ist klar, worauf ich hinaus will, oder?

Wenn man berichtet, autobiografisch schreibt, dann macht es nicht so viel Spaß, wenn man Rücksichten nehmen muss.

Einziger Ausweg. Blog auflösen. Neuen anonym aufmachen. Etwa als Anno Nuehm. Die Kommentierer per Email anschreiben, dass man jetzt anders heißt. Und das soll kein Schw… merken? Dass sich die gleichen Kommentierer von einem Tag auf den anderen auf einem völlig neuen Blog einfinden? Nein, das klappt nicht. Irgendwer, vielleicht so gar ich selber, verplappert sich. Lügen haben kurze Beine. Geht also nicht.

Weiterer (!) einziger (!) Ausweg. In die Phantasie flüchten. Etwa zum Besten gebe, dass einem der beste Freund folgende Geschichte erzählt habe. Glaubt doch keiner mehr, nachdem ich diese Zeilen hier geschrieben habe, oder?

Und da stellt sich generell die Frage. Gibt es überhaupt nicht-autobiografische Literatur?

Marcel Reich-Ranicki habe ich – sinngemäß – mal sagen hören, dass das soeben besprochene Buch „ja garrrr keihhhne Littterahhtuhr“ sei, da autobiografisch.

Ich bin soweit, dass ich es genau andersherum glaube, und das gilt für mich auch für Science Fiction: Wenn es nicht unsere erlebten Erlebnisse sind, unsere erhofften Erlebnisse, unsere ersehnten Erlebnisse, wie können wir dann darüber berichten? Ist die Phantasie denn nicht gerade die Wirklichkeit, die wir durch das Schreiben erschaffen?

Will sagen: Zu spät! Hätte gleich anonym anfangen müssen. Hab ich nicht. Der Weg in den Untergrund wird mir nicht helfen. Man wird mich stellen: Bisweilen wird man „bisweilen“ in meinen Texten aufspüren, die Spur wird gelegt sein, die Meute mich finden.

Aber es gibt auch einen Vorteil dabei: Wenn mir jemand irgendwas zuerkennen will, etwa den Deutschen Kleinkunstpreis für seniore Juniorblogger, oder so, der findet mich auch recht schnell im richtigen Leben. Mainz, Stockholm, rufet nur, ich komme…

© Ulf Runge, 2008

  1. Anna Nuehm
    13. März 2008 um 18:59

    Hey Ulf,
    vielen Dank! :-)
    Annanuehm schreiben macht auch Spaß! Wenn nur nicht diese ständige Angst vor der Entdeckung wäre. ;-)
    So gesehen hat alles seine Vor- und Nachteile. Ich kann schreiben was ich will, aber die Person hinter AnnaNuehm bleibt im Dunkeln.
    Was ich so insgesamt aber doch wieder gut finde…

    Der Trend geht sowieso zum Zweitblog. *zwinker
    Liebe Grüße,
    Anna, natürlich Nuehm :-)

  2. 13. März 2008 um 21:48

    Hallo Ulf,

    kann Frau Anna nur zustimmen. Bei mir gings aber von Anfang an weniger um die Verwandten als vielmehr um gugel und Konsorten. Wer weiß was ich in 20 Jahren von meinen Äußerungen noch halte, aber das Netz vergisst ja nichts, deshalb…

    Versuchs doch mal mit Oliv,
    weil: Oliv ist so praktisch Oliv ist so schön…

    Glück auf!

  3. Mo
    13. März 2008 um 22:42

    Hallo lieber Ulf.
    Ich verstehe Deine Gedankengänge nicht so ganz.
    Worüber regst Du Dich eigentlich mehr auf:Darüber,dass es überhaupt anonyme Blogger gibt?
    Oder darüber,dass Du kein anonymer Blogger bist?
    Du kannst und sollst Dir selbstverständlich Gedanken über andere Blogger machen,
    kannst Dich auch gerne mit anderen Bloggern vergleichen,aber Du darfst Dich darüber nicht selbst in Frage stellen ;-)

  4. Mo
    13. März 2008 um 23:10

    Lieber Ulf,
    was mir noch einfällt:
    Du schreibst , “Ist die Phantasie denn nicht gerade die Wirklichkeit, die wir durch das Schreiben erschaffen?”
    Gut,wenn Du der Ansicht bist,einer Fantasie Wirklichkeit verleihen zu müssen,so kannst Du das durch das Schreiben natürlich.
    Du solltest aber darauf bedacht sein,auch entsprechende Anmerkung dazu zu machen.Will sagen:Jedes Fantasiegebilde,welches Deinem Köpfchen als Wirklichkeit anmutet,sollte dem Leser auch als Deine “Fantasiewirklichkeit” verkauft werden.

  5. 14. März 2008 um 17:43

    Hallo Ulf,

    ob besser so oder so, da gibts wohl für jeden eine andere Antwort. Bei manchen Themen… ja, da wäre ich auch gerne mal anonym unterwegs. Denn so besteht die Gefahr, dass man sich oder anderen schadet, wenn man z.B. mal gerne über den Chef des Freundes ablästern möchte, weil man sich tierisch über ihn geärgert hat. Vermutlich würde er es nie lesen, wenn man etwas darüber schreiben würde, aber wie Mr. Zufall manchmal so drauf ist… :-)

    Bliebe noch das zweite Weblog, was Anna Nuehm vorschlägt… ja, klingt verlockend, muss aber auch gepflegt werden und man bangt vermutlich ständig, vom Geheimdienst der Weblogger entdeckt zu werden. :-) Letztendlich wäre ich es vermutlich selbst, die sich verrät. :-) Nein, das Anonyme wär vermutlich nichts für mich, kann mich nicht gut verstellen. Wäre das schon mal geklärt. Also, für mich jedenfalls. Außerdem weiß ich auch immer gerne mit wem ich es zu tun habe. Gleiches Recht für alle.

    Nichtsdestotrotz finde ich Anna Nuehm klasse. Hab mich fast totgelacht über Mörderic Walking. War auch einen kurzen Moment neidisch, weil ich auch gerne so schreiben können möchte. Doch dann habe ich mir gedacht, wäre nicht gut, wenn alle gleich schreiben würden. Jeder hat seinen Stil und das ist gut so. :-)
    Ich werde sicher öfter mal reinschauen, weil ich auch gerne lache. :-)

    Liebe Grüße,
    Martina

    P.S. Sei einfach du, das ist gut genug.

  6. Ulf Runge
    15. März 2008 um 02:08

    Liebe Anna,

    schade, dass Du im Dunkeln bleiben willst,
    denn nach Weill und Brecht sieht man die nicht… :-)

    Aber wennse Dich mal entdecken wollen,
    dann haste Beweisnot. Kann doch jedeR behaupten, ER sei Anna Nuehm.
    War doch auch mit dem BRAVO Dr. Sommmer so, dass DER eine Frau war/ist.

    Egal, schön, dass Du mal wieder hier warst…

    LG, Ulf

  7. Ulf Runge
    15. März 2008 um 02:19

    Lieber, ahem, hallo Corax,

    selbst wenn ich wüsste, dass Du Rumpelstilzken heißt,
    ich würde Dich nur verraten, wenn der Preis stimmt,
    quatsch, ne will nur sagen, die müssten schon was bieten,
    und dann machen wir halbehalbe, okay?

    Oliv. *g* Danke für den Link…

    LG, Ulf

  8. Ulf Runge
    16. März 2008 um 00:02

    Liebe Mo,

    ich rege mich eigentlich gar nicht auf.
    Weder über anonyme Blogger, noch über mich als nicht-

    Ich wollte nur mal die Optionen anonym vs. nicht-anonym
    miteinander abwägen. Beklage mich auch nicht wirklich,
    dass ich nicht-anonym bin.

    Ich soll mich immer outen, wenn etwas der Phantasie entsprungen ist?
    Tue ich in der Regel mit dem Tag “3 Erdachtes”.
    Da nicht alle gleich auf die Tags gucken,
    ist das die schöne Chance zu verblüffen.

    Wer verwundert ist über das, was ich schreibe,
    kann sozusagen hier nachsehen, ob ich das frei erfunden habe
    oder nicht.

    Liebe Grüße,Ulf

  9. Anna Nuehm
    16. März 2008 um 22:34

    Lieber Ulf,
    von mir aus kann wirklich jeder/jede behaupten, er/sie wäre Anna Nuehm…
    Der einzige Mensch, der es wirklich wissen muss und auf dessen Wissen über die wahre Identität Anna Nuehms ich sehr großen Wert lege, ist:
    Ich selbst. ;-)
    Von daher, wenn du mal Anna Nuehm sein willst, nur zu. :-)

    Liebe Grüße,
    Anna

  10. Ulf Runge
    16. März 2008 um 23:27

    Liebe Martina,

    ja, es gäbe so viel, über das, was man schreiben könnte,
    bissig, böse, frustiert, wo man mal so richtig los lassen
    könnte, worüber man sich geärgert hat,
    aber die Anzahl von Mitmenschen, die einem wohlwollend
    geneigt sind, sie wird dadurch kaum größer…

    Und Du hast recht, falls Du ähnlich gelagert bist wie ich:
    WIR VERRATEN UNS SELBER :-)

    Mit Deiner Bemerkung zu Anna Nuehm hast Du recht.
    Sie schreibt so außergewöhnlich gut, dass man wie sie schreiben möchte.
    Aber vergiss es: Sie ist sich selber, wir sind uns.
    Will sagen, jeder/m von uns ist ein eigener Stil gegeben,
    ein eigener Reifegrad, den zu verbessern wir immer das Ziel haben.

    Ich glaube, Anna hat eine Fänin mehr, oder?

    Liebe Grüße, Ulf

  11. Ulf Runge
    16. März 2008 um 23:30

    Liebe Anna,
    dafür danke…
    LG, Ulf

  12. Mo
    20. März 2008 um 05:21

    Hallo lieber Ulf.
    Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren,dass Du stets versuchst es allen recht zu machen.
    Gerade auch was Deine Kommentare betrifft,bist Du eifrig auf Harmonie bedacht.
    Du bist unermüdlich darauf bedacht,Dich liebevoll zwischen alle Stühle zu setzen,und keinen zu vergrätzen.
    Bis jetzt ist Dir das auch immer diplomatischerweise sehr eindrucksvoll gelungen ;-)
    Besonders nachdenklich macht mich Deine Aussage in Kommentar 10:

    “”ja, es gäbe so viel, über das, was man schreiben könnte,
    bissig, böse, frustriert, wo man mal so richtig los lassen
    könnte, worüber man sich geärgert hat,
    aber die Anzahl von Mitmenschen, die einem wohlwollend
    geneigt sind, sie wird dadurch kaum größer…””

    Lieber Ulf,
    ich finde Du solltest einfach mal öfter so richtig böse und frustriert
    so richtig ablassen,wenn Dir danach ist,
    ungeachtet der Kommentare die da kommen KÖNNTEN ;-)
    So gerne ich Dich auch lese lieber Ulf,aber manchmal wünschte ich mir wirklich,Deine Kommentare hätten mehr Biss und würden vor Harmoniesucht nicht so triefen ;-) :-)

    Fröhliche Ostern wünsche ich Dir und den anderen geneigten Lesern/Leserinnen :-)

  13. Ulf Runge
    21. März 2008 um 00:00

    Liebe Mo,

    danke, dass Du Dich mit genau meinem Dilemma auseinandersetzt.

    Ich fasse noch mal kurz zusammen, weil es hier wichtig ist.

    1. Ich bin nicht finanziell unabhängig. Deshalb schreibe ich hier
    auch prinzipiell nichts aus dem beruflichen Alltag.
    Wobei, das wären extrem interessante Erlebnisse…

    2. Ich lebe in einem familiären und einem Bekannten-Umfeld,
    auf das ich gerne Rücksicht nehme, weil, sonst spricht keiner
    mehr mit mir :-)

    3. Die Sau rauslassen, polarisieren, okay, dass könnte und sollte ich öfter,
    wobei ich mich dann (siehe 1. und 2.) anonymisieren würde, mein “Ich” wäre
    dann eine fiktive Figur. So ginge das wohl.

    4. Harmonie in der Kommentierung. Daran liegt mir verdammt viel.
    Will sagen: Hier darf jeder seine Meinung äußern, die Grenzen sind nur
    gegeben durch Fairnis und Zumutbarkeit. Und mir ist sehr viel daran gelegen,
    selbst bei konträrer Meinung, alle, die hier kommentieren, “einzufangen”,
    will sagen, ihre Meinung zu akzeptieren, aus meiner Sicht gegebenenfalls noch
    Fakten zu ergänzen…

    Danke für Deine Kritik. Ohne das Reiben an anderen Meinungen wüssten wir manchmal,
    warum wir für oder gegen etwas sind…

    LG, Ulf

  14. Mo
    21. März 2008 um 09:04

    Ja lieber Ulf,
    genau das ist Dein Credo:
    “Aus Deiner Sicht gegebenenfalls noch was ergänzen.”
    Du ergänzt und fügst hinzu,bis Du der Meinung bist,jetzt kann kein Wässerchen die Harmonie mehr trüben-es darf kein Wässerchen die Harmonie trüben,schließlich sind wir ja alle Brüder und Schwestern,die sich liebevoll in den Arm nehmen sollten ;-)

    Natürlich ist Harmonie zwischen Menschen erstrebenswert-aber nicht um jeden Preis.

    Lieber Ulf,
    weißt Du was ich Mo geantwortet hätte an Deiner Stelle? :

    ” Liebe Mo-oder so,
    wenn Dir hier irgendetwas mit mir nicht passt oder genehm ist,dann kannst Du um mein Blog doch einen riesengroßen Bogen machen,mein Blog meiden,ganz einfach von Deiner Leseliste streichen.
    Bitte gehe mir nicht weiter auf den Geist,mit Deinen zum Teil recht unsachlichen Kommentaren.
    Es mag ja sein,dass Du manchmal mit Deiner Kritik sogar auf fruchtbaren Boden bei mir stößt,aber ich würde vorschlagen:Du liest und schweigst-und TSCHÜSS!

    Ja,so hätte ich geantwortet….höhö
    Da kannst Du mal sehen,wie kritisch ich mich mit meiner Person auseinandersetze Ulf ;-)

  15. Ulf Runge
    24. März 2008 um 00:44

    Liebe Mo,

    es freut mich sehr (harmoniesuchend), dass mein Blog dazu beiträgt,
    dass Du ein erhöhtes Maß an Selbstreflexion bei Dir erkennen kannst.
    Ja, diesen therapeutischen Ansatz hatte ich bei meinem Blog schon
    immer im Hinterkopf, jetzt endlich ernten wir hier die Früchte…

    Unsachliche Kommentare? Ich hatte bisher das Gefühl, dass es eher
    Ordnungsrufe “Zur Sache!” waren. Bloß keine Blödeleien…

    Schön, dass ich jetzt weiß, wie Du geantwortet hättest.
    Aber den Gefallen tue ich Dir nicht. Ich antworte, wie ICH.
    Will heißen, Du weißt eigentlich schon, was ich antworte.
    Und die Vorhersehbarkeit meiner Reaktionen provoziert Dich.
    Schön, wenn es so ist. Aber Vorsicht!
    In ganz seltenen Fällen könnte ich auch spontan reagieren.

    Ich glaube aber auch, dass Du Dir – genauso wie ich übrigens –
    verwundert die Augen reibst, dass es Blogs gibt,
    bei denen es richtig nett zugeht.
    Und viele, die hier kommentieren, haben ebenso außergewöhnlich
    angenehm kommentierte Blogs.

    Viele Grüße von Cloud #9,
    Ulf

  16. Mo
    24. März 2008 um 18:48

    Ja Du hast recht lieber Ulf.
    Vorhersehbarkeit.
    Vorhersehbarkeit,das ist das Wort,woran ich mich in der Tat reibe.
    Danke dass Du es erkannt hast.
    Es reicht mir völlig,dass Du es jetzt weißt.
    Es reicht mir das Wissen,dass Du mir geistig folgen kannst.
    Vorhersehbarkeit auf den Wegen unseres menschlichen Daseins.
    Und ich mitten drin,mit meinen unvorhersehbaren Reaktionen.
    Ich schaue in ein Gesicht-und ich sehe Vorhersehbarkeit.
    Nicht das schlechteste Wissen,sicherlich nicht.
    Aber manchmal macht mich das einfach nur müde.

    Gruß Mo

  17. Ulf Runge
    25. März 2008 um 00:59

    Liebe Mo,

    Menschenkenntnis glaubt einen die anderen so vertraut zu machen.
    Aber Vorsicht, wir sind alle für eine Überraschung gut.
    Oder auch zwei!

    LG, Ulf

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