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Kurzfristiger Termin

25. Januar 2008 9 Kommentare

Leben 193 – Freitag, 25.01.08

Sier sah lange in der Runde herum, die sprachlosen, überraschten Gesichter musterten Sier lange. Sie hatten wohl alle nicht damit gerechnet, so kurzfristig einen Termin bei Sier zu bekommen.

Endlich brach Sier das Schweigen. Eröffnete das Gespräch. „Ich habe Eure Anmerkungen gelesen. Ich möchte mit Euch persönlich darüber sprechen. Und dann wissen, was noch offen bleibt bei Euch.

Eure Unzufriedenheit kann ich verstehen. Dass die Dinge so gekommen sind, wie sind, dafür bin ich nur bedingt verantwortlich. Natürlich fällt alles letztendlich auf mich zurück. Aber was wäret Ihr, wenn Ihr nicht selber für das gerade stehen müsstet, was Ihr tut. Oder sein lasst.So wollte ich Euch. Und so seid Ihr!

Ehrlich gesagt, am liebsten hätte ich mir Euch alle so gewünscht, wie ich bin. Aber was soll ich mit jemandem, die oder der genauso denkt und handelt wie ich?. Wenn ich dann mit Euch hätte sprechen wollen, hätte ich doch schon vorher gewusst, was Ihr antwortet. Das also konnte es nicht sein.

Deshalb habe ich mir Euch so gewählt, wie ich nicht bin. Ich wollte wissen, wie es ist, wenn Dümmere und auch Schlauere als ich unterwegs sind. Hässlichere und Schönere. Und ich wollte wissen, was siegt. Überlebt. Die Gerechtigkeit? Die Lüge? Der Wohlstand? Die Gewalt? Die Unfreiheit? Die Demut?

Und ich wollte, dass Ihr wisst, dass ich genauso sterblich bin und unsterblich wie ihr. Wenn Ihr nicht von mir Notiz nehmt, wer dann? Wenn Ihr Euch nicht in den anderen manifestiert, was soll dann von Euch bleiben?“

Keine Stecknadel wäre jetzt mehr zu hören gewesen, ziemlich betreten schauten die Angesprochenen nach unten.

„Wir können jetzt mal in die Einzelbetrachtung Eurer Kommentare eintreten. Ulf, Du hast da etwas von Re-Enginieering geschrieben.“

An Ulfs Verlegenheit und den Blicken der übrigen Anwesenden war zu erkennen, dass jetzt niemand mehr Bedarf hatte, über Frage 19 zu sprechen.

Sier war darüber erfreut und meinte dann noch: „Ihr wisst jetzt, dass ich so bin wie Ihr.Wie Ihr alle zusammen. Und Ihr wie ich. Doch eins verstehe ich nicht. Warum polarisiert Ihr so? Warum macht Ihr Euch über andere lustig? Über das andere Geschlecht? Über andere Kulturen und Hautfarben? Ihr braucht das Andere, die Anderen, um Euch zu erkennen. Und Euch in mir. Nehmt Eure Schwächen und die der anderen ruhig weiterhin auf die Schippe. Aber vergesst die Achtung voreinander nicht. Die Anderen, das seid Ihr, das bin ich!“

© Ulf Runge, 2008

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