Mein Schreibetagebuch: “Leben”

Januar 12, 2008

Lieber Jürgen Klinsmann …

11m – schuss & …

Fotos: © special4kd / PIXELIO

Leben 180 – Samstag, 12.01.08

Lieber Jürgen Klinsmann, ich schreibe Ihnen einen offenen Brief, wohl wissend, dass Sie diese meine Ausführungen wohl kaum interessieren. Vielleicht bin ich sogar in Gesellschaft von Kommentatoren, mit denen ich gar nicht in Gesellschaft sein will.

Das mal vorab. Was Sie tun, ist Ihr Bier. Da haben Sie niemandem Rechenschaft abzulegen. Aber Sie sind eine Person der Öffentlichkeit. Und wer so medienwirksam unterwegs ist wie Sie, der darf damit rechnen, dass ich eine Meinung habe. Über Sie.

Ja, natürlich befinde ich mich in der Schublade „Neid der Hablosen“. Ich werde das auch nicht zerstreuen können.

Lieber Jürgen Klinsmann, ich bin sehr überrascht über Ihre Entscheidung, sich beim FC Bayern München als Trainer oder was auch immer zu verdingen.

Ich komme jetzt zur Sache. Ich vermute mal, dass Sie so vermögend sind, dass sie das Geld für sich arbeiten lassen könnten und selber gar nicht mehr arbeiten müssten. Aus existenziellen Gründen. D.h. dass Sie sehr wahrscheinlich in der besonders glücklichen Lage sind, sich aussuchen zu können, wo auf dieser Welt Sie welchen Job annehmen.

Sehen Sie, der Knackpunkt ist doch, dass Sie gegen alle Widerstände des Etablishments alte Zöpfe haben abschneiden lassen. Sie haben aus Überzeugung, als Profi, dem es um die Sache geht, um radikale Veränderungen gekämpft. Sie sind seitlich all den untergürtellinigen Verbalattacken ausgewichen. Und sie hatten sogar sportlichen Erfolg mit Ihrem Team. Vor allem aber haben Sie Charisma entwickelt.

Endlich wieder mal jemand, der was darstellt! Eine Persönlichkeit! Jemand, der vorbildlich und tadellos ist!

Dass Sie diesen Job als Bundestrainer dann hingeschmissen haben, haben wohl alle nach dem Rausch der Feier-Tage verstanden, wenn sie sich mit einigem Abstand noch einmal angesehen haben, welche verbale Begleitmusik diverser Fußballgrößen während der Vorbereitung auf das Turnier Ihrerseits ertragen werden musste.

Und Sie haben vor Ihrem Weggang den Weg gut vorbereitet für Ihren Nachfolger. Das war schon gut.

Machen wir es kurz. Was wollen Sie beim FC Bayern erreichen? Beweisen, wie man eine zusammengekaufte Mannschaft zu einem Team formt? Damit die Bayern den x-ten Titel oder noch ein überflüssiges Double erreichen? Ist es wirklich die Zusammenarbeit mit den Herren Hoeneß und Rummenigge, mit Herrn Beckenbauer im Hintergrund, die Sie reizt?

Reizt es Sie zu wissen, dass alles außer Meister- und Siegertitel ein Misserfolg ist? Nicht Erster werden wollen, sondern Erster sein zu MÜSSEN.

Lieber Jürgen Klinsmann, ich wünsche Ihnen Erfolg. Aber ich würde mir leichter tun, wenn ich wüsste, da ist irgendwo noch etwas Ideelles, was da bei Ihnen mitspielt. Ich hoffe, ich tue Ihnen unrecht.

© Ulf Runge, 2008

11m – & Tooor!!!

14 Kommentare »

  1. Hallo Ulf …

    Nach der WM fiel ich leider in ein großes Loch und versuchte es mit kleinen Brötchen zu stopfen. Es gelang mir leider nicht! Nun, Debbie sagt immer ich solle doch Golf spielen oder mal nach Hawaii fahren … Aber ich weiss nicht!

    Vielleicht darf ich sie einmal nach München einladen und wir gehen gemütlich ein Weizen trinken?! Bis dahin lassen sie mich einfach mein Ding durchziehen, ich weiss ja selbst nicht was ich da mache …

    Ihr Jürgen K. (nein, nicht der olle Löw)

    Kommentar von Jürgen K. — Januar 13, 2008 @ 1:24

  2. Lieber Jürgen,
    (ich nehme das Vornamen-Sie gerne an, das ehrt mich, danke, wissen Sie, ich habe Sie schon immer verehrt, aber jetzt genug geschleimt),
    Die Einladung zum Weizen nehme ich gerne an, vielleicht Mitte / Ende Juli, am liebsten im Brauhaus Schneider in “Im Tal”, ein besseres Weizen kriegst Du - sorry, wir sind ja noch beim Vornamen-Sie - kriegen Sie nirgends.
    Lieber Jürgen, Sie wissen nicht was Sie machen, so dürfen Sie das nicht wieder von sich geben, sonst sind Sie ganz schnell in der Presse. Wie wäre es mit “Der Weg ist das Ziel”.

    Lieber Jürgen, ich fühle mich arg geehrt…
    Ulf

    Kommentar von Ulf Runge — Januar 13, 2008 @ 1:33

  3. Ich habe immer meine Jungs geduzt … stärkt das Mannschaftsgefühl! Nun, da ich eigentlich mit Fuss-Poeten zu tun habe, bin ich hier in dem großen Internetz natürlich stark am Rudern mit den Identitäten! Mögen Sie es mir bitte Verzeihen Herr Uwe!

    Im Juli wird es bei mir leider terminlich sehr eng, ich werde mal den Uli fragen ob ich einen Tag frei bekomme!? Der Franz erlaubt mir das sicher nicht! Ich melde mich dann bei Ihnen!

    Ihr Jürgen K.

    Kommentar von Jürgen K. — Januar 13, 2008 @ 3:07

  4. Lieber Jürgen,

    Uwe S. hieß mein großes Fußball-Idol aus der Kinderzeit. Ich heiße Ulf. Und dass Sie mich wie Ihre Jungs jetzt auch Duzen, aber nee, das tun Sie ja nicht *guckt verwirrt auf den Monitor*
    Im Juli ist’s eng? Wir könnten uns auch beim DFB treffen, so innner Pause bei irgendeinem Moti-Lehrgang.

    Immer noch voller Freude über diesen Kommentarwechsel mit IHNEN PERSÖNLICH
    grüßt Sie herzlichst
    Ulf R.

    Kommentar von Ulf Runge — Januar 13, 2008 @ 12:53

  5. Gut “Ulf” ich bin der Jürgen!

    Der Uli hat nix dagegen gehabt und würde auch gern mitkommen! Der Franz wußte nicht was er da soll und hat gesagt, dass es mal gucken wird - oder so ähnlich! Ich melde mich dann mit dem Termin und wir holen uns noch ein bisschen Presse dazu, dass das ganz auch richtig Publikumswirksam in Szene gesetzt wird. Ich bräuchte natürlich noch ihre Kleidergrößte, damit die Sponsoren nicht vergessen werden.

    Also Ulf .. ich freu’ mich schon riesig auf Sie als Vertreter des niederen Volkes - den kleinen Brötchenbäckern also, wie der Papa immer gesagt hat früher.

    Nun aber los, die die Debbie kreischt schon wieder …”DebBIIIIIIIIIIII!!!!! whad de fack is nu scho wida happend?” … ähm … ja … ich bin dann mal weg Ulf!

    Der einzig wahre Jürgen

    Kommentar von Jürgen K. — Januar 14, 2008 @ 0:07

  6. Lieber Jürgen,

    was so ein offener Brief alles bewirken kann. Uli und Sie und ich gemeinsam auf einer Pressekonferenz.
    Und dann darf ich da meinen offenen Brief noch mal vorlesen? Und Sie stellen dann Nehmung? Boah!
    Kleidergröße? 30 auf arabisch, falls Sie allerdings noch lateinisch rechnen, bitte XXL!

    Und der Franz. “Schaun mer mal” wird er gesagt haben. Oder besser noch “Schau(g)n mehr mal”.

    Liebe Grüße nach Äll-Aei!
    Ulf, der Jürgen-K.-Offene-Brief-Siezer
    (Ich weiß nicht, ob Sie wissen Jürgen, dass der FC St. Pauli seinerzeit einen Sieg über die Bayern errang und sich seitdem Weltpokalsieger-Besieger nennt.)

    Kommentar von Ulf Runge — Januar 14, 2008 @ 0:54

  7. Natürlich wußte ich das Ulf! Alles was du da schreibst weiss ich !!! Sogar schon bevor du es überhaupt gedacht hast JAAAAAAaaaaaaaaaaa ….. Ich bin’s doch! - der Jürgern! Warte Ulf, die Janice ist grad am Telefon!

    +Jürgen: Hey du olle Schrippe
    +Janice: Yoh … komm runter Rudi!
    +Jürgen: Jürgen!
    +Janice: Jürgen!
    +Jürgen: Janice?
    +Janice: Jürgen?
    +Jürgen: Was gibt es?
    +Janice: Du Ei! Mach den Blog comment frei!
    +Jürgen: Nö!
    +Janice: Dan erzähl ich allen die Wahrheit über die WM!!!
    +Tuttttttttttt

    Ulf .. ich muss leider … der Jogi ist auf der anderen …und naja … TSCHÜSSLE!!!

    Kommentar von Jürgen K. — Januar 14, 2008 @ 2:14

  8. Du? Jürgen? Du und “Du”? Darfisch dann auch “Du” saggn?
    Aber sag mal, woher weiß denn die Janice soviel über die WM?
    War die da Gastgeberin (Hostess sagt man wohl) wie einst die Silvia in München und heiratet die jetzt irgendeinen König von Egalwo?
    Mensch Jürgen, findisch klasse, dassde nich nachdragnd biss. Sach mal, ‘n Audogram, dass wär jetzt echt was.
    Na ja, aber meinen offenen Brief, den kann ich nicht zurückziehen. *schleim*
    Weil, dann wäre ja unsere ganze Korrespondenz sozusagen ungeschrieben…

    Was sagst Du? Assistenzträna? Suchstu? Ich weiß nich, ich weiß nich…
    Grüße nach Westen, denn da sitzen die Besten (ist der nicht cool *auf die Schenkel klatsch*)
    guats nächtle, Ulf

    Kommentar von Ulf Runge — Januar 14, 2008 @ 23:48

  9. Ulf, ich habe da keinen Einfluss auf die Trainer-Wahl! Musst du den Uli fragen!!!

    Zur Janice sag ich nix! Glaubst du wir sind so gut gewesen, weil es an uns Trainern lag? Quatsch, hier ging es um Bestechungsgelder, Manipulation und Psychologie. Mehr sag ich nicht dazu!

    Kommentar von Jürgen K. — Januar 15, 2008 @ 0:15

  10. Oh, Jürgen, das lässt ahnen. Oh, oh, oh.
    Wir werden das aufarbeiten müssen.
    Wenn Du da Begleitung brauchst, just let me know!
    (Hast Du eigentlich schon einen Dollmätscha für die Zeit in Minga?)
    LG, Ulf

    Kommentar von Ulf Runge — Januar 15, 2008 @ 0:21

  11. Nichts aufzuarbeiten! Diese Dame hat uns den Arsch gerettet mit den Kontakten in ihren mafiösen Kreisen. That’s it! Wenn das rauskommt!

    Kommentar von Jürgen K. — Januar 15, 2008 @ 1:34

  12. Poesie im Abseits .. ein Fussballgedicht

    Seht die endlos weiten Auen,
    dem Himmel nah am Horizont!
    Grünes mischt sich dort mit Blauem,
    zu wunderschönstem Sonnenblond.

    Im Tanz verbunden diesem Stern-
    Im Glanz dort - die Eiche!
    Es scheint der Wipfel, ach so fern,
    dass auch er zum Himmel reiche.

    Die Nachtigal tanzt in den Zweigen,
    hört nur - wie sie lieblich singt!
    Welch’ wahrlich schöner Vogel-Reigen,
    der das Morgenlicht durchdringt.

    Die Blätter wiegen auf und nieder,
    die Sonne bricht sich im Geäst.
    Der Wind haucht leise seine Lieder.

    Kurzum:
    Berauschend schönes Dichter – Fest!

    Hier setz’ ich mich – verbleibe!
    Und mit Zettel und mit Stift,
    geht es los - ich schreibe,
    diesen Reim in schönster Schrift.

    Die Natur diktiert die Zeilen,
    meine Hand führt das Idyll.
    Doch aus der Stadt schon eilen,
    Menschenmassen mit Gebrüll.

    Jauchzend, tobend und mit Fahnen,
    bunt bemalt - selbst im Gesicht.
    Mich durchdringt – was zu erahnen:
    „So wird es nichts mit dem Gedicht!“

    Ach! Lyrik, Reimkunst, Poesie -
    zur Melodie vertontes Leben -
    aber vielleicht - man weiß ja nie,
    wird es dich bald wieder geben?!

    Nur eben in den nächsten Wochen,
    wird gegrölt und nicht gesprochen!
    Und wer vom Chaos ganz entsetzt,
    ja - wer es vergaß, der weiß es jetzt:

    Es führt das Volk nur noch die Kraft:
    „der Fußball“ – „die Weltmeisterschaft“
    Und sind wir ehrlich – auch mit Goethe,
    hätt’ man im Stadion seine Nöte!

    Selbst reichlich Interpretation und Wille,
    sorgt nur für Schweigen – nur für Stille
    Gut … weil es eben folgen muss -
    ich versuch’s ! – Doch dann ist Schluss:

    „Der Ball verfängt sich in den Zweigen,
    hört nur - wie man klatscht und singt!
    Welch’ wahrlich schöner Fußball-Reigen,
    der das Flutlicht laut durchdringt.“

    Kommentar von Jürgen K. — Januar 15, 2008 @ 3:24

  13. Des ist von mir Ulf! Wollte auch immer lieber Blogger und Dichter sein als Teamchef! Aber des is schon sehr alt, gell!!!!

    Kommentar von Jürgen K. — Januar 15, 2008 @ 3:28

  14. Lieber Jürgen,
    wann haste denn dafür auch noch Zeit. Danke für dieses tolle Gedicht. Ich dachte zuerst, kommt mir irgendwie bekannt vor.
    Ich mach da mal nen Exkurs:

    Hab ich doch mal eines Tages im Radio gehört. Plattenwerbung. Für ne CD. Carmina Burana von wem auch immer. Und jetzt kommst: “Carmina Burana, bekannt aus der Schibo Werbung!” Nicht, dat dat vom Orff is. Ich dachte, ich hör nicht recht.

    So bin wieder da. Fängst also ganz toll an. Denke, boah, kann die gut dichten. Wobei, nä, das ist von Schiller oder so. Glocke. Was weiß ich. Und dann auf einmal. Die ZÄSUR. Schreibst vom Stift (der Radiergummi hat sich gerade bei mir beschwert, warum er denn nicht, aber egal).
    Und vom Fußball. Jürgen. Du glaubst nicht, wie sich die Worte “der das Flutlicht laut durchdringt” bis in mein tiefnächtliches Schnarchen imprägniert haben…

    Ich war schon geneigt, da noch eins drauf zu geben. Aber ehrlich. Da kann ich nicht “gegen” an.
    Danke. Danke. Danke. (Mit Autogramm wär’s natürlich noch wertvoller.)
    (Nach dem Motto, schei…egal, was der schreibt, dem seine Unterschrift, die hab ich… ;)

    LG, Ulf
    P.S.: Des hob i glei (foascht glei) g’wußt, dasset des von Dir iss.
    Sei froh, dassde kei Blogführer gworde bisch, mir dürfet jetztat nicht mehr streike, so wie die in holliwutt…
    grüaßle

    Kommentar von Ulf Runge — Januar 15, 2008 @ 23:42

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag. TrackBack URI

Einen Kommentar schreiben

Bloggen Sie auf WordPress.com.