Mein Schreibetagebuch: “Leben”

Dezember 26, 2007

Winterkälte

Die Gedächtniskirche

Foto: © Johna / PIXELIO

Winterkälte

Leben 167 – Mittwoch, 26.12.07

Es ist eisig draußen. Kalter Winter. Kalt genug. Klirrenden brauche ich nicht. Und doch weiß ich, da droben über dem Nebel ist der herrlichste Sonnenschein. Muss das heute ein schöner Tag sein. Anderswo.

Es ist eisig draußen. Kalter Winter. Und doch weiß ich, dass es Sommer wird. Sozusagen. Die Tage werden wieder länger. Und die Aussicht auf angenehm warme, auf heiße, viel zu heiße Tage ist fast Gewissheit schon.

Es ist eisig draußen. Kalter Winter. Nachdem wir in der Naivität der Wiedervereinigungsbesoffenheit in Berlin, Deutschland und Europa jahrelang getaumelt sind und uns auf das konzentriert haben, was vermeintlich das Wichtigste war, auf die Menschen, die Nachbarn, die Infrastruktur, die Arbeit, die Öffnung der Grenzen, haben wir geflissentlich nicht wahrgenommen, nicht wahrnehmen wollen, dass wir, vermeintlich auf der Insel der Glückseligen, wieder umzingelt werden von denen, die lieber Sandkastenspiele mit Raketen machen als nachhaltig dafür zu sorgen, dass wir aus dem Kalten Krieg gelernt haben. Wieder wird an der Lunte gezündelt, mit dem heißen Krieg gedroht. Wieder wird davon gesprochen, dass es nur darum geht, sich zu verteidigen. Das Gleichgewicht aufrecht zu erhalten.

Es ist eisig draußen. Kalter Winter.

© Ulf Runge, 2007

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