Weihnachten verpasst?

Leben 148 – Montag, 03.12.07

Ja, habe ich denn Weihnachten schon verpasst? Denke ich so für mich. Während ich durch den Supermarkt gehe, auf dem Weg zur Kasse bin, fast über die neuen Sonderaufbauten stolpere.

Okay, wir haben uns daran gewöhnt, dass in Zeiten des Klimawandels die Mon Cherí erst wieder ab September im Regal ist.

Und dass wir ab September Weihnachtsgebäck beim Aldi kaufen müssen, weil, im Dezember sind die Artikel dann dort vergriffen, wobei, wenn ich sie zu Hause lagere, gibt es dort auch einen natürlichen Schwund, der dann doch zur kurzfristigen Bereicherung meiner Supermarktkette durch den Erwerb von last-minute-Weihnachtsgebäckmarkenartikeln führt.

Ob ich Weihnachten schon verpasst habe, frage ich mich, da ich nun vor einem Regal stehe, in dem also Tischfeuerwerke und sonstige Knallartikel feilgeboten werden. War das früher nicht erst kurz vor Silvester üblich oder erlaubt? Aber ist auch egal, ich glaube, ich habe Weihnachten noch nicht versäumt. Weil, es muss ja erst mal richtig Advent werden.

Mit vollen Parkplätzen („Ich denke, den Leuten geht es schlecht?“), schlecht gelaunten Warteschlangenmenschen, die jeden vermeintlichen Drängelversuch durch unmissverständliche Körpersprache unterbinden („Ich denke, wir feiern das Fest der Nächstenliebe“), sensationell günstigen Weihnachtsschnäppchen („Ich glaube, mein Portemonnaie hat ein Loch: Schon wieder leer!“), steigenden Benzinpreisen („Die könnten die Mineralölsteuer senken, wenn sie wollten, nur wir Deutschen verlangen keine Maut für Pkws“), Menschen des Jahres, Füreinengutenzweckgeldsammelmusiksendungen, Vierschanzentournee (Stopp! Dann ist Weihnachten wirklich schon vorbei…).

Einem zu kurzen, zu langen, zu schiefen, zu ausladenden, zu armseligen Weihnachtsbaum. Einem zu prall und zu drall geschmückten, einem nur schlicht gezierten, einem lichtüberfluteten, einem Baum mit echten Kerzen („Sonst kommt doch keine Stimmung auf“). „Wir verzichten dieses Jahr auf einen Baum, wir schonen den Wald!“ „Wenn die Förster nichts mehr verdienen, kümmerst sich erst niemand mehr um den Wald!“

Christmas-Pop auf allen Radiokanälen und in den Kaufhäusern. Und wenn uns das alles zum Halse raushängt wir uns mal gerade daran gewöhnt haben, an Autohausweihnachtsmänner, an die Einkaufszentrumnikoläuse, und an die einfach nichtendenwollende gute Stimmung („Bitte! November ist vorbei!“), dann, ja dann, ist Weihnachten schon (fast) wieder vorbei.

© Ulf Runge, 2007

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  1. Ulf Runge
    8. Dezember 2007 um 23:30 | #1

    Liebe Ulli,
    danke, dass Du mich gelinkt hast :-)
    Liebe Grüße, Ulf

  1. 8. Dezember 2007 um 17:45 | #1

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