Und was wünschst Du Dir zu Weihnachten?

Leben 147 – Sonntag, 02.12.07

„Und was wünschst Du Dir zu Weihnachten?“

Diese Frage ist der Schrecken aller Schrecken. Doch gemach, eigentlich hatte man ja ausgemacht, dass man sich nichts mehr schenken wolle, es gehe ja schließlich nicht ums Schenken, sondern mehr ums Denken, Erinnern. Zumindestens nichts Großes wolle man sich zukünftig schenken.

Aber da sind ja auch noch all die anderen, die wollen ja schließlich auch wissen, was der Partner sich so wünscht.

Seien Sie also gefasst darauf, dass auf obige Frage eine der nachfolgenden Antworten auf Sie herabprasseln wird wie ein kalter Regenguss:

Empört: „Wir wollten uns doch nichts mehr schenken!“ Aha.

Verbindlich: „Ich habe keine Wünsche. Höchstens, Du bist liebt zu mir.“ Aha, immaterielle Erpressung.

Empörung vorspiegelnd: „Wenn Du mich liebst, dann weißt Du auch, was ich mir wünsche!“

Es kann aber auch sein, dass man eine ganz pragmatische Antwort erhält, etwa, dass man gerne Parfum oder After Shave haben wolle. Auf die Frage, welches denn, muss man mit einem „Kannst Du selber nachgucken, steht im Badezimmerschrank!“ rechnen.

Daraus könnte sich dann folgender Dialog entspinnen.

„Aber das hier ist doch Dein Winterparfum. Und das reicht Dir ja noch bestimmt noch eine Weile. Und in drei Monaten ist fast schon wieder Frühling. Soll ich da nicht lieber das Sommerparfum kaufen? Das kann dann nicht verriechen, bloß weil es monatelang nicht benutzt wird.“ Ein kurzer Blick statt einer Antwort, ein wortloser Blick. Okay, notiert wird das Winterparfum.

Also: Wir haben verstanden. Etwas Kleines sollte es schon sein, ein bisschen mehr als das Nichts, was man sich eigentlich bloß schenken wollte. Etwas Kleines, etwas, das man sich gegenseitig in die Hand drückt.

Beliebt bei Kids: „Geld!“ Und das macht es den Gebenden leicht, weil, es wird nicht so viel Phantasie benötigt, man muss sich mit den Beschenkten nicht wirklich intensiver auseinandersetzen.

Dann gibt es noch den Geldersatz: Gutscheine! Vom Media-Markt, vom Obi, vom Kosmetik-Geschäft. Vom Einkaufszentrum. Immer wenn ich, weil sehr selten, in dieses Einkaufszentrum gehe, stelle ich fest, dass ich den Gutschein von letztes Jahr Weihnachten mal wieder zu Hause liegen gelassen habe. Danach trage ich ihn dann wieder zwei Monate lang vergeblicherweise in der Weltgeschichte herum, lege ihn wieder an seinen Platz im Schreibtisch. Und bin prompt am nächsten Wochenende wieder in diesem Einkaufszentrum. Gutscheinvergessenderweise.

Wie wäre es mal mit einem Gutschein, auf den wir folgendes draufschreiben: „Ein Abend mit Dir, an dem ich keinmal an den PC gehe / auf mein Handy schaue / an dem ich Dir wirklich mal länger als eine Minute zuhöre.“

Nun ist ein Gutschein ja eine Hypothek auf die Zukunft, wenn wir ihn noch nicht bezahlt haben. Deshalb wäre es doch besser, statt ein Versprechen – einzulösen irgendwann – auf’s Papier zu schreiben, einfach täglich die Aufmerksamkeit für unsere Umwelt aufzubringen. Täglich.

Doch dann stellt sich die Frage, weil wir nun ja superdupertoll miteinander umgehen, nur noch einander zuhören, Zeit füreinander nehmen und haben, weil es nun also fast nichts mehr zu verbessern gibt: “Was schenke ich an Weihnachten?”

© Ulf Runge, 2007

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  1. 2. Dezember 2007 um 19:55

    hallo lieber ulf, was für eine humorvolle, liebevolle und vergnügt-ironische weise, sich mit diesem thema auseinanderzusetzen. hab jede stufe auch schon persönlich auf die eine oder andere weise mitgemacht. dieses jahr bekommt mein mann zum geburtstag (der auch im dez.ist, ich hoffe, das zählt:-) unter anderem einen gutschein für einen tag mit mir auf dem weihnachtsmarkt in innsbruck. ein tag nur wie zwei und ein bisschen glühwein, weihnachtsstimmung, usw. meinst Du, er freut sich drüber? ich werd berichten:-) Ich freu mich immer sehr über geschenke, bei denen sich der andere ein wenig gedanken drüber gemacht hat, was mir wohl gefällt und ich mache es umgekehrt genauso. dann finde ich schenke etwas wunderschönes. liebe grüsse andrea

  2. Ulf Runge
    3. Dezember 2007 um 00:12

    Einen Tag mit Dir auf dem Weihnachtsmarkt, liebe Andrea?
    Das wird teuer, oder? ;-)
    Ich wünsche Euch einen schönen Tag in Innsbruck und freue mich schon auf Deinen Bericht.
    Aber genau so etwas, einen Gutschein für ein paar gemeinsame Stunden, genau das kann mehr wert sein als so vieles Materielle.
    Liebe Grüße, Ulf

  3. 3. Dezember 2007 um 23:20

    Lieber Ulf, er hat sich drüber gefreut, allerdings musste ich schon erst erklären, dass es mehr um den “tag nur für uns beiden” geht, der adventsmarkt nur beiwerk… und wie kommst du denn darauf, dass der tag mit mir teuer wird? ausserdem hab ICH ja eingeladen, das wird höchstens teuer für mich oder hattest Du das gemeint?
    Die gemeinsamen Stunden zählen,da hast du vollkommen recht und auch da nicht die quantität, sondern die qualität… liebe grüsse andrea

  4. Ulf Runge
    3. Dezember 2007 um 23:39

    Liebe Andrea,
    dass Du eingeladen hast, heißt ja noch lange nicht, dass Du zahlst. Ich glaube hierzu fällt mir gerade eine Begebenheit ein, die ich demnächst mal zum Besten geben werde… :-)
    Ein Tag mit Dir teuer? Das soll ich geschrieben haben? Das kann ich mir nun aber auch wirklich vorstellen…
    Er hat sich gefreut? D.h. Dein Mann hat heute Geburtstag? Dann auch noch herzliche Gratulation von mir…
    Liebe Grüße, Ulf

  5. 4. Dezember 2007 um 07:23

    Lieber Ulf, was hast Du denn für Erfahrungen gemacht:-) bin gespannt. Und JA, du hast geschrieben Zitat”Einen Tag mit Dir auf dem Weihnachtsmarkt, liebe Andrea?
    Das wird teuer, oder?”, wie soll ich das denn jetzt verstehen? :-) Na, da bin ich dann auch drauf gespannt…Liebe Grüsse Andrea

  6. 4. Dezember 2007 um 07:23

    ach, sorry, und lieben Dank für Deine Glückwünsche, ich werde sie ausrichten…

  7. Ulf Runge
    5. Dezember 2007 um 02:08

    Liebe Andrea,

    ich bin verwirrt, irgendwo fehlte noch ein NICHT, und überhaupt, you know (jetzt flüchtet er schon ins Englische), war das ganze ein Schdjouk (Joke gesprochen)…
    Liebe Grüße,

    Ulf

  8. 5. Dezember 2007 um 10:15

    ja ja, jetzt willste dich rausreden, typisch mann:-) ich werde eine genaue kostenaufstellung machen von dem tag, für dich, lieber ulf, *lach*

  9. 5. Dezember 2007 um 10:27

    hab da noch was schönes von heinz erhardt gefunden…
    “Wenn eine Frau die Wahl
    zwischen Liebe und Geld hat,
    entscheidet sie sich für beides”…
    in diesem sinne, mit einem fetten lächeln, andrea

  10. Ulf Runge
    6. Dezember 2007 um 00:06

    Liebe Andrea,

    puh, Du hast mich durchschaut :-)
    Das mit der Kostenaufstellung, da bin ich aber gespannt… :-)
    Schön, dieser Heinz Erhardt Beitrag, schön wie alle. So passend…
    Auch Dein heutiger Artikel ist sehr lesenswert.
    Ich nehme mir vor, zukünftig noch mehr auf Beiträge in anderen Blogs hinzuweisen.
    Danke, für Deine Rückverlinkung.

    Liebe Grüße Ulf

  11. 16. November 2011 um 17:12

    Lieber Ulf, ich bin in die Rubrik “Top Beiträge” geraten statt in “Letzte Beiträge” und finde diesen lustigen Bericht über Weihnachtsgeschenke, will gerade kommentieren und sehe. dass ich bereits kommentiert habe…. denn dieser Artikel ist fast 4 Jahre alt… Da hab ich doch einen kleinen Sprung an diegleiche Stelle in meinen alten Blog zurück gemacht… es gibt keinen Zufall (DAS Thema hatten wir schon öfter:-) und ich habe sehr gelacht über meine eigenen alten Kundengeschichten und ein wenig wehmütig inne gehalten: was ist in diesen 4 Jahren alles passiert, was hat sich alles verändert, wer und wo bin ich heute… rückblickend frage ich mich manchmal, wie ich das alles geschafft habe…Nachdenkliche und zufriedene Grüsse Andrea

  12. Ulf Runge
    16. November 2011 um 23:38

    Liebe Andrea,

    da werde ich ja richtig nostalgisch. Sag mal, nächstes Jahr feiern wir 5 Jahre Bloggerleben?

    Alles hat seine Zeit, liebe Andrea. Und es ist schön, dass wir miteinander miterleben dürfen, wie wir uns verändern, entwickeln, wie wir von der Veränderung und Entwicklung der anderen für uns selber Anregungen und Ideen bekommen.

    Nachdenklich und zufrieden, das sind schöne Schlussattribute.
    Ich grüße Dich ebenfalls und nachdenklich und zufrieden,
    Ulf

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