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Archiv für 25. November 2007

Stressige Verwechslung

25. November 2007 Ulf Runge 4 Kommentare

Leben 140 – Sonntag, 25.11.07

Wieder ein Erlebnis beim Bäcker, wieder etwas zu berichten von der Bäckereiverkäuferin. Diesmal ist eine andere Bäckerei, eine andere Bedienung, von der ich etwas zu berichten habe.

Es ist Samstag, ich habe einen großen Erledigungszettel, und ich bin nicht so ganz sicher, ob der Tag für so viel ausreicht, ein sportliches Programm liegt vor mir, will ich mal sagen. Ich betrete die Bäckerei zügig, bin auch schon gleich dran, frage nach meinem Brot, wobei ich leider nach der falschen Sorte frage, weil, das was die Bäckerin mir jetzt geben will, das will ich nicht, also sage ich, das will ich nicht, nein, ich will das andere da, das heißt ja fast genau so, ja, genau, das will ich!

Die freundliche Verkäuferin, sie bedient mich nicht zum ersten Mal, in einem gewissen Sinn kennt sie mich also, die freundliche Verkäuferin, nimmt mein Brot, das, das ich kaufen will, und sagt zu mir bestimmt, mit langsamer Stimme: „Ihr Deutschen, Ihr seid alle so stressig am Wochenende!“

Sie ist nicht in Deutschland geboren, das mag sein. Sie spricht ein sehr gutes Deutsch. Und sie spricht weiter: „Je hektischer Sie jetzt hier sind, desto langsamer bediene ich Sie!“

Ich? Hektisch? Okay, ich bin sehr interessiert daran, die Bäckerei in ca. 2 Minuten 30 zu absolvieren, um danach gleich zur Apotheke zu eilen, und schließlich in die Nachbarstadt zu fahren und und und. Aber hektisch? Nicht wirklich. ICH BIN NICHT HEKTISCH. Aber ich wirke so, oder?

„Warum seid Ihr Deutschen am Samstag so stressig?“ Okay, ich werde es ihr sagen. Weil ich unter der Woche nicht einkaufen komme, da sind die meisten Geschäfte schon zu, wenn ich nach Hause komme. So muss alles am Wochenende passieren. Und daher meine riesige Erledigungsliste.

Ich wedele mit meiner Liste durch die Luft, sie grinst, sie hat beschlossen mich jetzt maximal langsam zu bedienen, sie spürt, dass sie für die nächsten 60 Sekunden Macht über mich hat, und ich bin ihr gar nicht mal böse, sie hat doch recht, wo soll dieser Tag noch enden, wenn ich jetzt nicht einen dringenden Hinweis bekomme, dass dieser Tag ein erholsamer werden kann für mich, mit vielen Dingen, die ich erledige, aber auch mit vielen guten Begegnungen und Gesprächen, wenn ich es denn nur will.

Ich bezahle mein Brot, bedanke mich, wünsche noch ein schönes Wochenende und beschließe, dass ich jetzt vor allem eins nicht will: Hektisch wirken. Hektisch sein. Oder wie sie es nannte: Stressig.

Und im nachhinein betrachtet muss ich sagen, dass diese „meine“ Bäckereiverkäuferin mir ein sehr schönes Geschenk gemacht hat. Über den Tag hinaus. Nämlich die Chance zu erkennen für zukünftig nicht-„stressige“ Samstage. Oder überhaupt für nicht-„stressige“ Tage, will sagen, da kann ich nicht nur etwas für die Freizeit mitnehmen, das ist erst recht etwas für die Arbeit.

Was für ein Glück, dass ich die Brotsorte verwechselt hatte…

© Ulf Runge, 2007

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Wünsche

25. November 2007 Ulf Runge 4 Kommentare

Leben 139 – Sonntag, 25.11.07

Wenn ich einen Wunsch frei hätte, was ich mir dann wünschen würde, werde ich gefragt.

Ich denke kurz nach, sage mir, Du bist Nebenfachmathematiker, da gibt es nur eine Antwort. Ich antworte: „Ich wünsche mir zwei Wünsche…“

Mein überlegener Nebenfachmathematikerblick fällt in sich zusammen, als meine Gegenüberin die einzig wahre, richtige und Musterlösung formuliert: „Ich hätte mir unendlich viel Wünsche gewünscht…“

 

© Ulf Runge, 2007

 

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