Mein Schreibetagebuch: “Leben”

Schön, dass Du hier liest!

Top brands, leicht erklärt – heute: Lucky Streik

with 7 comments

Leben 132 – Donnerstag, 15.11.07

Ja, es ist an der Zeit, mal aufzuklären. Woher kommen die großen Marken? Als Kind durfte ich immer und immer wieder im (Werbe-) Fernsehen erleben, wie ein Reitersmann auf einem Pferd (wo sonst) sitzend durch die vorjugendzeitliche Glockengasse in Köln geritten ist und, weil er nicht rechnen konnte, nach der Hausnummer 10 als nächstes die 4711 an die Wand gekritzelt hat. Vielleicht hat ihn ja jemand gefragt, wie alt er ist, und dann hat er halt weiternummeriert, wie das so seine Aufgabe war. Ein heute leider nicht mehr als Lehrberuf angebotenes Gewerbe: Der Hausnummerierer. Und aus dieser Hausnummer und ihrem Schnörkel drumrum, gar noch schwieriger zu malen als der Violinschlüssel im Notenheft, ist dann irgendwie einerseits das Kölsch entstanden oder und auf der anderen Seite eben das ach so bekannte O de Andiefreude. Aber das wollte ich gar nicht erzählen, das ist ja hinreichend bekannt.

Heute geht es um „Lucky Streik“, etwas, von dem viele glauben, es sei ein Produkt, was leider nicht ganz zutreffend ist. Ja, ja, es war die Zeit, als die Rheinländer es satt hatten, immer nur Apfelmus zu essen, wobei Apfel im Rheinland ja eigentlich für die Kartoffel steht, den Erdapfel, aber ich schweife schon wieder ab…

Und da erfanden sie den Lackmus. Der Erfinder, der es leider weder in Geschichts-, Koch- noch Chemiebücher geschafft hat, ein gewisser Lacki, wanderte dann mit ein paar Kilogramm Tee nach Indien aus, landete aber versehentlich in Boston und gab zur Freude des Empfangskommittees eine riesige Party.

Später dann, nach der 72. Rächtschreiprehfohrm beschloss die Kultstusskonferenz, dass Lacki, weil er ja nun Amerikaner sei, zukünftig Lucky zu schreiben sei, um auch zu vermeiden, dass die Amerikaner ihn in Unkenntnis seiner Verdienste etwa Läcki aussprechen würden, wogegen sich auch insbesondere Hans-Joachim Fuchsberger verwehrte. Schließlich gebe es nur einen Blacky (gesprochen Bläckie)!

Lucky wurde dann Logführer. Logführer haben früher beschrieben, was denn so alles passiert in der Welt. Und weil sie immer erst hinterher beschrieben, was passiert war, machte man sie dafür verantwortlich, dass sie etwas spät dran waren. Zu spät. Das war halt der Zug der Zeit. So hatten die Logführer nicht das Ansehen, von dem sie glaubten, dass sie es denn verdient hätten, und traten deshalb in den berühmten Logführerstreik von Anno Tobak, der ehrlicherweise gesagt noch heute anhält. Ein Logführer nach dem anderen gab schließlich auf, nur Lucky hielt durch, wenn er nicht gestorben wäre, bis heute.

Aufgrund einer typisch deutschen Rechtschreibverwechslung feiern die Lokführer der „GeDeLa“, der Gemeinschaft Deutscher Luckys, heute noch am 16.11. den „Lucky Streik“ Tag. Schön, dass es in Deutschland noch Tradition gibt! Ich freu mich schon auf morgen!

© Ulf Runge, 2007


Add to Technorati Favorites

7 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. [...] merkte, daß es kalt ist, weil ich die Heizung höher drehen mußte -dachte, ich lese mal wieder in Ulf Runges Schreibtagebuch-Blog, der bringt mich immer zum Lachen. Ich komme weiter unten tatsächlich auf die Skorpion-Zeit zu [...]

  2. Lieber Ulf, ich freu mich auch auf morgen, weil ich dann einen weiteren witzigen, geistreichen Beitrag von Dir lesen kann…:-) Herrlich, wie Du mit der Sprache spielst!!!! Danke, liebe Grüsse Andrea

    andrea2007

    16. November 2007 um 09:23

  3. Liebe Irene,

    schön, wenn ich Dich immer wieder einmal zum Lachen bringen. Lachen sei gesund…

    LG, Ulf

    Ulf Runge

    16. November 2007 um 23:56

  4. Liebe Andrea,

    danke, danke!
    Heute muss ich Dich leider enttäuschen.
    Vielleicht noch ein bisschen witzig, ist mein aktueller Beitrag eher ein nachdenklicher.
    Das darf auch mal wieder sein, oder?

    LG, Ulf

    Ulf Runge

    17. November 2007 um 00:03

  5. Lieber Ulf, Du würdest mich nur enttäuschen, wenn Du nicht mehr das schreiben würdest, wonach Dir gerade ist, nachdenklich oder lustig, erlebt oder ausgedacht… das spielt dabei keine Rolle. Wir leben von der Vielschichtigkeit unserer Interessen und somit unserer Beiträge. Ich liebe Abwechslung :-)
    Lgr Andrea

    andrea2007

    17. November 2007 um 14:06

  6. Köstlich, sehr köstlich, diese Doppelbödigkeit, lieber Ulf!

    Renate

    17. November 2007 um 18:38

  7. Liebe Renate,

    danke. Schön, dass es Dir gefallen hat.

    LG, Ulf

    Ulf Runge

    19. November 2007 um 00:55


Einen Kommentar schreiben