Wienerwald
Leben 127 – Montag, 12.11.07
Wir wollten noch ein Bierchen trinken gehen. Nach der Arbeit. Im Wienerwald wollten wir uns treffen. Ich wusste so ungefähr, wo ich parken wollte, aber eben nur so ungefähr. Es hatte schon gedämmert, eine nasstrüber Abend war angebrochen und nach ein paar Häuserblöcken erspähte ich endlich mein Ziel am hell erleuchteten Schriftzug.
Wie durch ein Wunder waren auf der anderen Straßenseite auch noch Parkplätze frei. Ich stellte den Wagen ab, und betrat den Gastraum, in dem sich schon einige Kolleginnen und Kollegen eingefunden hatten. Wir aßen und tranken und erzählten und hatten unseren Spaß. Wie es halt ist, wenn man sich mal nach Feierabend trifft und über das und jenes spricht.
Kurz von zehn brachen wir auf, die einen, um noch weiterzuziehen, die anderen, um nach Hause aufzubrechen. So auch ich. Ich hatte noch eine knappe Stunde Fahrzeit vor mir und morgen war wieder ein anstrengender Tag angesagt.
Wir wollten uns gerade voneinander verabschieden, als ich bemerkte, dass ich eingeparkt war, gnadenlos eingeparkt. Die Frage, wer mich denn da eingeparkt hatte, und wen ich denn fragen müsste, ob man mich mal eben da rauslassen könnte, stellte sich nicht. Weil, das Auto vor mir, ebenso wie das Auto hinter mir, waren jeweils ein…
…Polizeiwagen. Genau genommen stand ich vor einer Polizeiwache! Ich hätte also einfach nur reingehen brauchen und sagen, sie sollten mal wegfahren, bitteschön. Nein, nicht dass ich betrunken gewesen wäre. Wirklich nicht. Aber vielleicht ein Bier mehr als erlaubt…
Nun, die anderen wollten sowieso noch etwas durch die Weltgeschichte ziehen, und so trank ich in der darauffolgende Stunde einen Kaffee, dann noch einen und schließlich noch einen Espresso. Und sprach mir Mut zu. Malte mir aus, wie ich auf die Wache gehen würde, und freundlich darum bitten, man möge wegfahren, ohne eine rote Birne zu kriegen vor lauter Angst vor der Frage: „Haben Sie getrunken?“ „Ja, aber nicht zuviel.“ „Dann pusten Sie doch mal hier!“
Während mein Kreislauf so richtig auf Touren kam, sank mein Herz immer mehr in die Hose, doch dann musste es sein, wir gingen zurück zum Wienerwald, zur Polizeiwache, zu meinem eingekeilten Auto.
Wie unbeschreiblich froh war ich, als ich sah, dass die beiden Streifenwagen inzwischen wieder weggefahren waren!
Merke: Es lohnt sich immer, gut hinzusehen, wo man parkt…
© Ulf Runge, 2007

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Haha!
DAS kann ich mir richtig gut vorstellen!
Wobei natürlich die Vermutung naheliegt, dass die Herren in Grün sich da mit dir einen kleinen Spaß erlaubt haben…
Oder?
Kopfschüttler
12. November 2007 um 22:51
Lieber Herr Runge ,
ist es nicht herrlich ein Gewissen zu haben ,
besonders wenn es dort auf der Bildfläche erscheint , wo wir es gar nicht vermissen ?
Mo
12. November 2007 um 23:26
Ich wußte gar nicht, dass es noch einen Wienerwald irgendwo gibt. Ich bin als Kind immer mit meinen Eltern hin. Damals war C&A auch noch mein Held in Sachen Bekleidung. So gingen wir immer nach dem Shopping hin und haben Schnitzel mit Pommes gegessen. Das war wohl auch ein bißchen ein Lockmittel meiner Mutter um meinen Vater zum Shopping zu überreden.
Tshalina
12. November 2007 um 23:44
Lieber Kopfschüttler,
ganz sicher war das ein Joke von den Herren in grün.
Und sie haben sicherlich bedauert, dass sie nicht warten konnten, sondern einen Einsatz fahren.
LG, Ulf
Ulf Runge
12. November 2007 um 23:46
Liebe Mo,
ja, ja, das Gewissen. Wenn der G’wissenswurm plagt (ich glaube der ist eine Erfindung von Karl Valentin)…
Das Gewissen mit dem gewissen Etwas, das ist uns gewiss…
LG, Ulf
Ulf Runge
12. November 2007 um 23:53
Liebe Tshalina,
meine Geschichte spielt irgendwo irgendwann sagen wir mal 1984. Ob es überhaupt noch einen Wienerwald gibt, weiß ich nicht…
Pommes? Mit Mayo? Und Ketchup? Und Senf?
Ja, es geht nichts, als die lieben Kleinen gesund aufzuziehen…
LG, Ulf
Ulf Runge
12. November 2007 um 23:56
Lieber Ulf, schon wieder Senf, tz tz…:-) Ich muss zugeben, ich habe immer erstmal ein schlechtes Gewissen, wenn mir Polizei irgendwo begegnet, woher kommt das? Auch wenn ich nichts getrunken habe, normale Geschwindigkeit fahre und angeschnallt bin. Irgendwie ist man doch “obrigkeits-geschädigt”, oder wie lässt sich das erklären? Hier müsste ich sowieso kein Problem damit haben, da ich fast jeden Polizisten kenne…:-)
Liebe Grüsse Andrea
andrea2007
13. November 2007 um 07:51
Was heißt gesund? Das war das Schmackerle um meinen Vater zu locken mit uns Weibchen zum Shoppen zu gehen. Du weißt doch, dass eine Vielzahl deiner Artgenossen nicht gerade scharf darauf ist. Außerdem hab ich meine Pommes immer sehr gern mit Ketchup vertilgt. Insgesamt muß ich sagen, dass meine Eltern in Sachen Erziehung und die damit verbundene Ernährung eher spießig waren. McDoof lernte ich so z.B. erst im Jahr 1993 kennen und hey, da war ich schon 13 Jahre alt. Und dass wir bei McDoof landeten war auch mehr die Schuld meines noch recht jugendlichen Onkels, den wir zum Autokauf mit nach Hamburg genommen hatten und der auf dem Rückweg meinte, dass er da eine tolle Idee für “Futter” hätte. Mein Vater, das werde ich nie vergessen, pulte wenig ansprechend seinen ersten Hamburger auseinander und schob das Ding (damals noch in diesen schicken Kartons und nicht in bedrucktem Brotpapier) mit einem angewiderten Blick beiseite und fastete. Ich fand meine Pommes zwar etwas dünn, im Gegensatz zu jenen vom Wienerwald, aber doch lecker. Meine Mutter hatte gleich ganz gestreikt damals. Heute geh ich mit Mutti hin und wieder mal zur Konkurrenz, sprich BurgerKönig. So ändern sich die Zeiten.
Tshalina
13. November 2007 um 11:31
Liebe Andrea,
das ist halt so anerzogen, dass man beim Anblick von Polizeiuniformen auf einmal ein weniger gutes Gefühl hat. Wenn das mal drin ist, bekommst Du das nur sehr schwer wieder raus.
Umgekehrt ist heutzutage leider nur zu oft erkennbar, dass ein gewisser Respekt vor Menschen in einer Rolle, z.B. Lehrern, nur deshalb verweigert wird, weil sie nicht autoritär auftreten.
LG, Ulf
Ulf Runge
13. November 2007 um 23:36
Liebe Tshalina,

shoppen gehen? Nein. Schoppen gehen? Ja
Weißt Du was, Du hast in den ersten 13 Jahren kulinarisch trotzdem nichts versäumt, glaube ich…
Wenn ich Fastfood essen gehe, also eigentlich nie, fast nie nie nie, dann esse ich höchsten einen Salat, eventuell ein Käsewürger…
Aber jedem und jeder wie es ihr und ihm gefällt
LG, Ulf
Ulf Runge
13. November 2007 um 23:39