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Senfgläser

10. November 2007 13 Kommentare

Leben 125 – Samstag, 10.11.07

Das ganze, was ich jetzt schildere, ist nicht wirklich ein Problem. Aber es beschäftigt mich. Zum einen würde mich interessieren, was andere dazu sagen würden, wenn sie etwas dazu sagen wollten. Außerdem interessiert mich natürlich die Frage: „Geht es anderen ebenso?“

Die Sache ist schnell erzählt. Der Senf, den wir essen, der kommt bei uns nicht aus der Tube, sondern aus dem Glas. Und im Gegensatz zu früher, in meiner Jugendzeit, als es Düsseldorfer Löwensenf sein musste, der die pubertierenden Pickel sprießen ließ, ist es heute eine Firma, die den Genuss kommen lässt, und den beiden, in den Leuchtturm eingesperrten Feinschmeckern eine videomontierte goldene Kochmütze aufsetzt, puh, das ist ein Satz. Will sagen, der Senf, den wir heute konsumieren, ist in Gläsern, die kann und darf man eigentlich nicht wegwerfen.

Erstens. Weil sie Trinkgläser sind.

Zweitens. Weil sie von der Form eigentlich schön sind und praktisch, das ist ja für Männer sehr wichtig, weil, sie liegen gut in der Hand. So etwas entsorgt man nicht.

Nun bietet man derartige Gläser auch nicht seinen Gästen an, oder?

Und überhaupt: Natürlich haben wir auch wertvollere Gläser im Haushalt als diese Ex-Senfgläser. Das heißt aber auch, dass man die dann schonen sollte. Benutzt man verstärkt die „kostenlosen“ Trinkgläser, so erhöht sich auch die Wahrscheinlichkeit, dass diese zuerst kaputt gehen, und damit die geschonten Trinkgläser noch mehr geschont werden als nur durch das Nichtbenutzen. Sie werden nämlich in verstärktem Maße auch noch nichtkaputtgemacht.

Ja, und dann kommt der Augenblick, wo Du diese Gläser eben zu lieben anfängst, weil sie so schön schlicht sind, so einfach, so praktisch.

Wenn ich woanders zu Besuch bin, sehe ich (meistens) sofort, dass es sich um IKEA-Geschirr handelt. Na und? Das Billige, das Einfache und das Formschöne, muss sich das ausschließen? Und genauso geht es mir mit den Senfgläsern. Wenn die nicht von Thomy wären, die könnten auch von IKEA oder Aldi sein. Und sie sind kein Grund, sich zu schämen. Im Gegentum!

Der relativ maßvolle, aber doch stetige Konsum von Senf in unserem Haushalt und der zeitgleich vorsichtige Umgang mit Glasgeschirr haben nun dazu geführt, dass weniger (Senf-) Gläser kaputt gehen als kontinuierlich neu hinzukommen. Will sagen, der Gläser-Schrank ist voll. Es gab auch schon eine erste Auslagerung von sechs Gläsern auf den Dachboden. Für wer weiß was für Zeiten, die hoffentlich nie kommen, weil, da braucht man dann nicht nur sechs Gläser vom Dachboden, da werden ganz andere Dinge gefragt sein.

Ich habe auch schon Gläser in die Firma mitgenommen. Auch dort haben wir eigentlich genügend Gläser. Und durch die von mir bewusst betriebene erhöhte Nutzung von Ex-Senfgläsern am Arbeitsplatz wird erreicht, dass die Wahrscheinlichkeit der Zerstörung firmeneigener Gläser durch fahrlässige Nutzung deutlich reduziert wird.

So, und jetzt würde mich interessieren: Ist das übertriebene Sparsamkeit, fast schon Geiz? Oder schonender Umgang mit den Ressourcen, praktizierte Nachhaltigkeit?

Natürlich habe ich für mich die Antwort längst gegeben. Aber wissen tät ich schon gerne, wie andere darüber denken…

© Ulf Runge, 2007

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