Mein Schreibetagebuch: “Leben”

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Die Bombe platzt – UntergeTUNKt 2

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Was bisher geschah: Tunk, der junge Eisbär bricht aus dem Zoo aus, da er um sein Leben fürchtet. Fluffi, Reporter bei „Nebel“, hilft ihm beim UnterTUNKen…

Von einer Pressekonferenz, Inventur, Festnahme,einem Telefonat, Kommissar, Radio… – Fr 09.11.07

Als die Bombe platzte, sprich Fluffis Artikel im „Nebel“ erschien, war Tunk schon über alle Berge. Er hatte sich von Fluffi ein Handy ausgeliehen, weil, sie waren sich sicher, dass niemand auf die Idee kommen würde, dass Tunk sich per Mobilfunk melden würde.

Für Fluffi war der Tag seines Lebens angebrochen. Der „Nebel“ war bereits am Vormittag ausverkauft, zum ersten Mal musste eine Ausgabe nachgedruckt werden. In Null Komma Nix war ein gigantisches Medieninteresse da, und man entschloss sich, der Hysterie in Form einer Pressekonferenz gerecht zu werden.

Welche Beweise er denn hätte, das sei ja eine unglaubliche Geschichte, die er da der Nation auftische, und so weiter und so fort, bombardierte man ihn ununterbrochen mit Fragen. Man bräuchte doch bloß mal in den Eisbärgehegen aller Zoos nachsehen, man werde schon sehen, wer da mit der Wahrheit großzügig umginge, konterte Fluffi die Reportermeute aus. Ja, kaum dass er auf der anderen Seite des Mikrofons stand, hatte er vergessen, dass es seine eigenen Kollegen waren, die da drüben berechtigterweise, oder zumindest mal jobbedingt, nach Fakten gierten.

In sämtlichen Zoos des Landes wurde nun umgehend „Inventur“ abgehalten und genau überprüft, ob sich da nur jemand im Eisbärfell versteckt hielt oder nicht. Natürlich meldete ein Zoo nach dem anderen Fehlanzeige, auch der von Tunk, alle Eisbären seien da, von wegen falscher Eisbär und so. Das ganze fand unter Aufsicht der Landeskriminalämter und Landesveterinalämter statt, so dass jeder Zweifel ausgeschlossen schien.

„Was läuft da ab?“ frug sich Fluffi, und damit ist auch beantwortet, welche Vergangenheitsform für „fragen“ der Autor dieses Artikels bevorzugt. Fluffi wurde noch am gleichen Tag verhaftet, da er keine Beweise für seine Behauptungen vorlegen konnte, „üble Nachrede“ oder so hatte er bei der Verhaftung jemanden sprechen hören. „Verdunklungsgefahr“ sei ebenfalls gegeben, und so verbrachte er die kommende Nacht in der Zelle.

Natürlich hatte man ihm sein Handy weggenommen. Wegen der Schwere der Anschuldigungen setzte sich Harry Wagen, einer der Untersuchungsbeamten, über sämtliche Vorschriften hinweg, und sah sich mal die Adressliste in Fluffis Handy genauer an. Außer den üblichen Vor- und Nachnamen, fanden sich hier Fleurop und ADAC, aber auch Tunk! Wofür stand Tunk? Etwa für „Tiere im Untergrund – Nationales Komitee“? Harry Wagen las „Tunk“ rückwärts und es kam ihm ein böser Verdacht. Er musste herausfinden, was es mit diesem ominösen Namen auf sich hatte! Er drückte die grüne Taste. Die gewählte Rufnummer erschien im Display. Und am anderen Ende meldete sich in gebrochenem Hochdeutsch ein Stimme mit vermutlichem Migrationshintergrund: „Hiere isse Tunki! Bisse lange niche ranne gange, Fluffi!“ Harry Wagen baute die beiden soeben gehörten Namen geistesgegenwärtig mit in seine Begrüßung ein und entgegenete: „Hallo Tunki, hier ist Fluffi! Ich habe da gigamäßigen Stress mit den Bullen. Die wollen Beweise von mir, dass es Dich gibt. Wo hältst Du Dich gerade auf? Ich muss mit Dir reden!“ Das hätte er nicht sagen dürfen, hatten Tunk und Fluffi doch vereinbart, dass Harry niemals nach seinem Aufenthaltsort fragen würde. „Due niche bisse Fluffi, abere due könne habe Beweise!“ Tunk beendete das Gespräch und Harry Wagen schrie ein Wort, das mit „Scheibenkleister“ anfängt, dann aber doch mittendrin jäh abbricht, um mit „ße“ zu enden. Er hatte wieder mal alles vermasselt.

Da betrat Kommissar Souterrain den Raum, und rief ihm seine Standardfloskel zu, mit der er Harry nahezu täglich zur Weißglut brachte: „´arry, ´ol schon mal die o-to.“ Irgendwann einmal würde er ihn umbringen, schwor sich Harry, und beschloss, von dem Telefonat erst mal nichts zu erzählen und alles für sich zu behalten.

Sie fuhren schweigend zu Fluffis Wohnung, für die inzwischen ein Durchsuchungsbefehl erwirkt worden war. Aber was gab es da zu finden? Ein einfaches Reporterleben eröffnete sich ihnen, die Hektik des beruflichen Alltags spiegelte sich in der überstürzt verlassenen Küche und den Aktenbergen und DVD-Stapeln auf dem Wohnzimmertisch und dem Fußboden wider. Arbeiten und Leben gingen hier nahtlos ineinander über, gemütlich war anders.

Bis morgen mussten sie was in der Hand haben, sonst käme dieser Lügenbaron von Reporter einfach so wieder frei. Aber sie hatten nichts, und vor allem auch keine Idee.

Regen hatte eingesetzt, die Scheibenwischer quietschten über die Scheibe, und aus dem Radio erklang „Blue bayou“. Meine erste Schallplatte war das, dachte Fluffi, und träumte sich für Sekunden zurück in seine Jugend. So nebenbei hörte er im Hintergrund den Moderator im Gespräch mit einem Hörer, der sich gerade den nächsten Musiktitel wünschte: „Füre alle die Mensche, die jetzte arbeite müsse, die Höhnere, >>Wenne niche jetzte, wanne danne<<“. Harry Wagen fuhr wie elektrisiert hoch, verriss das Lenkrad, entschied sich dann aber doch gegen den Straßengraben, und war dann schließlich stinkesauer darüber, dass er die nächsten Stunden erst einmal keinen Feierabend haben sollte, weil diese Geschichte hier jetzt erst einmal auf ihre Fortsetzung wartet.

© Ulf Runge, 2007

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Written by Ulf Runge

9. November 2007 um 00:08

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