Archiv

Archive for 7. November 2007

Flucht in weiß – UntergeTUNKt 1

7. November 2007 4 Kommentare

Von einem Geheimnis, Tunk, Fluffi, Tunki, vom Töten, nicht im Kochtopf enden wollen, und und und – Mi 07.11.07

Ja, wo anfangen? Ist nicht so einfach. Weil, es ist eigentlich ein Geheimnis. Aber ich habe sein Einverständnis, ich darf darüber berichten, weil die Wahrheit muss raus, sagt er. Als Mahnung für die anderen. Es soll keinen zweiten Fall geben wie ihn geben…

Ich fange mal mit ihm an: Er, das ist Tunk, natürlich ist das ein Deckname, und er möchte auch nicht seinen wirklichen Namen outen, denn er fürchtet um sein Leben. Zu Recht muss ich sagen, wenn man das alles berücksichtigt, was ich in den letzten Tagen von ihm erfahren durfte.

Noch kurz ein Wort zu mir, bevor ich weiter berichte. Ich bin Flu Egnur und schreibe für „Nebel“, die engagierte Lokalzeitung aus dem Elbe-Main-Isar-Dreieck. Meine Freunde nennen mich Fluffi und mehr muss man zu mir nicht wissen.

Tunk ist, wahrscheinlich ist jetzt noch niemand drauf gekommen, Tunki, wie ich ihn inzwischen liebevoll nennen darf, ist aus dem Zoo entsprungen. Er war dort ein richtiger Zuschauermagnet, und hat sich dort auch sehr wohl gefühlt, das soll ich jetzt mal hier schreiben, hat er gesagt. Und ich soll auch seine Wärter grüßen, die jetzt an der größten Lüge aller Zeiten mitspielen müssen. Haben die sich doch unmittelbar nach seiner Flucht ein Eisbärfell besorgt und jetzt muss täglich jemand anders „Tunki spielen“. Er kann es gar nicht glauben, dass noch niemand diesen Skandal aufgedeckt hat. Und ich stehe jetzt natürlich vor meiner größten Story! Unser Blatt wird morgen ausverkauft sein wie noch nie!

Natürlich wollte ich von ihm wissen, warum er denn in den Untergrund gegangen sei. „Töten! Die wollen mich töten!“ Und das hat er so vehement herausgeschleudert, dass mir schon etwas mulmig wurde. Wer ihn denn töten wolle. „Das ist ein ganzes Komplott!“ fuhr er dann fort, um mir dann zu erklären, dass so ein Zoo sich auf Dauer gar nicht einen weiteren ausgewachsenen Eisbären leisten könne. Er sei in der Geburtenplanung des Zoos gar nicht vorgesehen gewesen. Jetzt könne ihm keiner weismachen, als wenn er gewollt gewesen sei. „Das sollen die mal dem Flusspferd-Baby erzählen, aber bitte nicht mir! Bin doch nicht blöd!“ meinte er dann noch. Er wolle nicht beim Metzger enden.

Die Bemessungsgrundlage für die Belegung von Eisbärgehegen sei durch ihn nachhaltig überschritten, und er wolle auch nicht ins Ausland verkauft werden wie ein Fußballspieler. Und im Kochtopf wolle er seine Karriere auch nicht beenden.

„Und dann dieser Kerl, der sich und mich unsterblich berühmt machen will, indem er mich umbringt, so wie es damals der Mörder von John Lennon auch versucht hat. Der hat das jetzt mehrmals öffentlich angekündigt! Auf sogenannten Poetry Slams erzählt er immer wieder, dass er er mich töten will. Und haben die den festgenommen? Nein, der läuft immer noch frei rum und ist dabei, seinen teuflichen Plan umsetzen zu wollen.“ Wo er das denn her habe. Er zerrt mich zum Laptop, ruft Google auf, tippt eine Adresse ein, und dann steht es da schwarz auf weiß: „Der Theaterpädagoge Michael Jakob gewann mit der Forderung `Tötet K…` und der Feststellung, dass Tofu schwul macht die 18. Darmstädter Dichterschlacht.“ Weitere Recherchen im Internet lassen nur ahnen, welch raffinierter Plan dahinter stecke, aber Tunki raunt mir nur, er kenne einen Augenzeugen von jenem Abend, der habe ihm alles gesagt, und da stand es fest für ihn, er müsse raus aus dem Zoo.

Anders als Richard Kimble, der hinter einem Einarmigen her war, und dabei selber zum Verfolgten „auf der Flucht“, habe er nicht vor, diejenigen auf- und heimzusuchen, die meuchlings hinter ihm her seien, er sei Pazifist, und wenn er jemals in den kalten Norden gehe, dann nach Alaska, an die Pazifikküste, wo sonst.

Nein, Bayern und Österreich schließe er erst einmal aus als Rückzugsgebiet, die hätten ja wohl was gegen Bären, die einzigen die da wohl willkommen seien, nehme er mal so an, seien die Erd-, Brom-, Him- und Stachelbeeren.

Wehmütig beendete er das Gespräch mit mir, wir vereinbarten, dass wir über Handy in Kontakt bleiben wollten, bei mir vorbeizukommen werde ab morgen schwierig werden, wenn denn der Artikel erst einmal erschienen sei…

Er verlasse sich ganz auf mich, er habe sonst niemanden auf dieser Welt. „Wenn nicht Du, wer dann?“, murmelte er noch, die Melodie der Handballweltmeister auf den Lippen…

So, jetzt muss ich aber ran an meinen Artikel, einen, den die Welt nicht gelesen hat.

Ciao, Euer Fluffi

 

© Ulf Runge, 2007

Add to Technorati Favorites

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Schließe dich 177 Followern an