Mal richtig gut essen gehen…

Leben 111 – Montag, 29.10.07

Ja, wenn ich schon erzähle, dass ich im Vorzimmer eines Konstanzer Controllers den ach so wahren Sinnspruch „Nichts trifft den Planenden so sehr wie der Zufall“ gelesen habe, dann sollte ich auch unbedingt mein Lieblingserlebnis mit diesem netten Herrn zum besten geben.

Damit ist übrigens die Frage beantwortet, ob denn mein Vorstellungsgespräch erfolgreich war. Ja, ich durfte das Projekt machen. War also öfters auch vor Ort an der Bodenseestadt.

Nun gab es da leider keine Mittagsküche vor Ort, so groß war die Betriebsstelle in Konstanz nicht. Aber man konnte einen recht preiswerten Service nutzen, nämlich bis zu einer bestimmten morgendlichen Uhrzeit sich entscheiden für eines der angebotenen Menüs, die einem dann sozusagen fast bis auf den Schreibtisch zugestellt wurden. In Aluverpackung. Die dann wieder recycelt wurde.

Das Essen war okay, will heißen, es hat einen nicht vom Hocker gerissen, aber man hatte etwas Gesundes, was Warmes im Bauch. Und das hat wirklich nicht jeder Betrieb zu bieten. Also Klappe halten, und dankbar sein.

Wir waren gerade dabei, den Menüzettel zu studieren, als „mein“ Controller zu mir rüber guckte und einen richtig spannenden Vorschlag machte: Ob wir denn nicht mal richtig gut essen gehen wollten? Heute mal kein Aluessen bestellen, statt dessen mal in die Stadt rüberlaufen und es uns gut gehen lassen.

Hey, Superidee! Dachte ich. Und stimmte freudig zu. Der Vormittag ging recht schnell vorbei. Ich malte mir aus, wohin mich mein Gegenüber „ausführen“ würde. Italienisch, das wär nicht schlecht, dachte ich. Oder was mit Fisch, aus dem Bodensee. Ach was, irgendwas, egal was, aber mal raus hier, ein bisschen Stadtflair spüren, statt hier im Büro vor sich hin zu krümeln und auf die Krawatte zu kleckern.

Ein warmer, freundlicher Tag mit viel Sonne und wenig Wolken erwartete uns vor der Tür, wir genossen den Spaziergang am Ufer entlang, bis wir über die Brücke hinüber in die Altstadt hineinkamen. Jetzt waren wir in der Fußgängerzone, und die Schritte meines Begleiters wurden langsamer, bis er sich schließlich zu mir drehte und freundlich – mit einem „Na, wie hab ich das gemacht“-Gesicht – zu mir sagte: „Wir sind da!“

Meine männlichen Tunnelblickaugen konnten nicht direkt eine Gaststätte erkennen, so dass ich ihn etwas fragend anschaute. Mit ausgestrecktem Arm deutete er auf das Fast-Food-Restaurant rechts von mir, auf dessen Scheiben gerade irgendwelche MaccenMcIrgendwas-Wochen beworben wurden.

Ja, lecker, dachte ich, unterdrückte allerdings meinen Überschwang, und überlebte diesen Tag im Wesentlichen deshalb, dass ich mich für den durchaus leckeren McSalat, oder wie er auch immer er hieß, entschied.

Seitdem bin ich etwas skeptisch geworden, wenn man mich einladen möchte, mal etwas richtig gutes essen zu gehen.

© Ulf Runge, 2007

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