Startseite > Kurzgeschichten, Leben, Mein Schreibetagebuch: "Leben", Tagebuch > Nichts trifft den Planenden so sehr wie der Zufall!

Nichts trifft den Planenden so sehr wie der Zufall!

Leben 110 – Donnerstag, 25.10.07

 

Ich war recht aufgeregt, sollte ich mich doch in Konstanz vorstellen bei einem internationalen Unternehmen, und ich wollte / sollte doch keinen Scheiß erzählen, ich sollte als Externer unterstützen, programmieren helfen, organisatorische Aufgabenstellungen lösen helfen.

Hochroten Kopfes ging ich in die Villa hinein, in der meine Auftraggeber ihr Büro hatten, hochgradig adrenalingeschwängert war ich. „Ja, richtig, wir haben Sie schon erwartet“, ich solle mich mal in das Büro da vorne setzen, es würde noch einen Augenblick dauern. Ein kleiner Raum, kunstlichtgesäumt, die geöffnete Tür eröffnete den Blick auf ein Nachbarbüro, von dem aus man auf den Rhein und die Altstadtbrücke sehen konnte.

Das Duschen heute hätte ich wohl vergessen können, inzwischen war ich klatschnass, war mir sicher, dass mein Deo inzwischen mehr als versagt hatte. Schweiß, aus allen Hautporen tröpfelte es Schweißnebel. Halsschlagaderklopfend war ich in Erwartung des Gespräches, hoffte trotzdem nicht, dass etwas dazwischen kommen würde.

Ich musste mich noch etwas gedulden und so ließ ich meine Blicke kreisen, ein spartanisch eingerichtetes Büro, das wohl nur als Besprechungsraum genutzt wurde, und dann ruhten meine Augen, blieben haften, meine Blicke wollten nicht mehr weichen vom Flipchart, dessen oberstes Poster folgenden sinnhaften Spruch trug: „Nichts trifft den Planenden so sehr wie der Zufall“.

Ic h glaube, es ist schon besser, wenn man einen Plan hat. Ein Ziel, oder mehrere, Dinge, die man erreichen möchte, etwas, das einem Richtung gibt.

Ich glaube, es ist noch besser, einen Plan als Plan zu begreifen, und sich und den anderen nicht das Leben zu versauen mit der mechanischen Einforderung von Plänen, sondern das Situative im Leben zu begreifen als Chance, den Plan zu verbessern, anzupassen, seine Ziele zu justieren.

Ich bin sehr gut gefahren in meinem Leben, wann immer ich mich an diesen Spruch erinnert habe, wenn mir klar wurde, dass hier und jetzt Dinge passieren, die meine Planung über den Haufen werfen, die es erfordern, den Plan anzupassen, oder sogar für geraume Zeit planlos vorzugehen, wie ein Pfadfinder im Urwald, bei schlechter Sicht, den das Dickicht immer wieder zwingt, kleinere oder größere Umwege zu beschreiten.

Ich wünsche allen, die meinen, im Chaos zu versinken, vom Leben überrollt zu werden, ich wünsche allen, dass sie im Zufall, im Überrolltwerden eine Chance erkennen, die eigenen Pläne zu hinterfragen, vielleicht auch anzupassen, um schließlich einen Weg zu finden, zur Frau oder zum Herrn des eigenen Handelns zu werden.

© Ulf Runge, 2007

Hinweis: Dieser Beitrag ist gleichzeitig auf BlogSenf, dem gemeinsamen Blog von Anna, Heike, Renate und mir veröffentlicht worden. Welchen Senf meine Mitbloggerinnen und erst recht die BlogSenf-LeserInnen dazu abgeben, kann man hier nachlesen:

blogsenf.jpg

Add to Technorati Favorites

  1. 25. Oktober 2007 um 09:22 | #1

    den ersten teil der antwort hab ich beim blogsenf gepostet, hier mal die frage; was ist denn nun eigentlich aus dem vorstellungsgespräch geworden???:-)lgr andrea

  2. 27. Oktober 2007 um 07:48 | #2

    Moin Ulf!

    “Der Mensch denkt, Gott lenkt!”

    Aber ich glaube, er hat großen Spaß daran, wenn er uns planen sieht … ;)

    Fröhliche Wochenendgrüße, Ulli

  3. 27. Oktober 2007 um 16:32 | #3

    Halli ihr,

    wie wär’s denn damit?

    Der Mensch dachte und Gott lachte?

    Ebenfalls fröhliche Wochenendgrüße, Christa

  4. Ulf Runge
    30. Oktober 2007 um 00:21 | #4

    Liebe Andrea,

    was aus dem Vorstellungsgespräch geworden ist?
    Ich hatte das Glück, nichts Falsches zu sagen, meine Nase hat auch gepasst und meine erhöhte Transpiration habe ich durch über den gesamten Körper verteilte Flasche Deo ausgeglichen ;-)
    Nein ehrlich, ich hatte Glück, und auch eine schöne Zeit, da ich so immer wieder einen Grund hatte, zusätzlich zu meinen Kunden im Stuttgart Raum auch mal einen am Bodensee für einige Stunden oder wenige Tage zu besuchen.
    Siehe auch #111: http://ulfrunge.wordpress.com/2007/10/30/mal-richtig-gut-essen-gehen%e2%80%a6/

    LG, Ulf

  5. Ulf Runge
    30. Oktober 2007 um 00:24 | #5

    Liebe Ulli,

    schöne Idee! Du glaubst also, das Planen lässt uns Gott überwiegend zu seiner Belustigung machen?

    Oder, dass wir glauben, dass die Dinge, die wir ahnen und planen, wenn sie denn Wirklichkeit werden, als von uns zielgerichtet erreicht betrachtet werden.

    Mutig! Und hat was!

    LG, Ulf

  6. Ulf Runge
    30. Oktober 2007 um 00:29 | #6

    Liebe Christa,

    denkt und dachte,
    lenkt und lachte,

    beschenkt mit dem Zufall,
    ist der Planer ganz sachte.

    LG, Ulf

  1. No trackbacks yet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Follow

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 259 Followern an