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Archive for 23. Oktober 2007

Handlungen und Dinge – Erinnerungen und Menschen

Leben 108 – Dienstag, 23.10.07

Zuerst sei da mal Brita erwähnt. Brita ist unser Wasserfilter. Wozu wir den brauchen? Habe ich mir damals auch gedacht. Und dann der erste Tee mit gefiltertem Wasser. Was war das für eine Farbe! Nicht trüb, sondern klar. Und der Geschmack hält, was die Gestalt verspricht. Wir haben ein exklusives Modell. Mit eingebauter „Uhr“. Wenn Du eine frische Filterkartusche einsetzt, dann drückt auf einen Knopf, bis vier Striche zu sehen sind. Für jede Woche ein Strich. Nach einer Woche verschwindet der erste, danach der zweite, nach vier Wochen blinkt die Anzeige. Dann heißt es Filter wechseln und das ganze geht von vorne los.

Brita hat etwas von Urlaub. Nach dem Urlaub wird ein neuer Filter eingesetzt. Und wenn Brita dann zum ersten Mal wieder blinkt, dann denke ich wehmütig daran, wie schön die Zeit vor vier Wochen war, dann denke ich, noch 10 mal Filter wechseln, und dann steht der nächste Urlaub vor der Tür. Wahrscheinlich wieder nach Schweden. Und möglichst auch wieder die Freunde dort besuchen.

Kurz gesagt: Brita blinken sehen heißt Urlaub. Nachfreude und Vorfreude. Denken an die Freunde im Norden.

Dann will ich die heutige Schleichwerbung mal fortsetzen mit unserem SodaClub Wassersprudler. Wozu wir den brauchen? Kohlensäurehaltiges Trinkwasser aus der Leitung. Ich habe es schon häufiger nachgerechnet, ich glaube wirklich, dass so ein Wassersprudler günstiger ist als Wasser kaufen. Und geschmacklich schmeckt das „erste Sahne“. SodaClub hat etwas von unseren Freunden in Stuttgart, bei denen wir den Wassersprudler das erste Mal gesehen haben. Auf die Taste am Sprudler drücke ich fast täglich.

Kurz gesagt: SodaClub erinnert stetig uns zuverlässig an die Freunde in Stuttgart.

Als ich das erste Mal bei Freunden gesehen habe, wie man Espressopulver einfüllt und fachgerecht zusammendrückt, habe ich das so tief verinnerlicht, dass ich heute noch bei jeder Tasse, die ich aufbereite, an die Freunde in Mainz denken muss. Wobei hier unbedingt erwähnt sein sollte, dass sich geschmacklich nichts anderes denken lässt als der gute Lavazza Rosso.

Kurz gesagt: Lavazzo Rosso einfüllen und trinken erinnert jedes Mal aufs Neue an die Freunde in Mainz.

Dies sind meine drei prominentesten Handlungen und Dinge, die mich vom Gegenständlichen zu den Erinnerungen und zu den Freunden führen.

Es passt nicht ganz in die obige werbefinanzierte Reihe von Assoziationen, aber ich will noch von den Steinen reden. Denen, die Du suchst, wenn Du am Ufer stehst. Flache Steine. Aufgrund unserer Berliner Herkunft haben wir sie immer Butterstullen genannt. Flache Steine. Die wir möglichst kunstvoll in den Rhein geworfen haben, auf dass sie tanzen mögen, zweimal, dreimal, selten auch öfter. Aber dann war man der größte, wuchs vor Stolz, fühlte sich unbesiegbar. Ja, da sind sie wieder, die Erinnerungen an schöne Zeiten in Köln…

So sehen uns die Gegenstände an, so nehmen wir die Dinge und HANDeln mit ihnen. Und so verselbständigen sich die Gegenstände und Handlungen in unserem Kopf zu Erinnerungen, vornehmlich an gemeinsame, bedeutsame Stunden mit anderen Menschen.

© Ulf Runge, 2007

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