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Zoobesuch

21. Oktober 2007 2 Kommentare

Leben 107 – Sonntag, 21.10.07

Vier Warteschlangen. Überhaupt Warteschlangen! Sie hatten doch bloß in den Zoo gehen wollen. Okay, es war für die Jahreszeit überraschend schönes Wetter. Kalt, besonders im Schatten, aber trocken, schwach windig. Ein wunderschöner Herbsttag, powered by Goldener Oktober.

Logisch, dass jetzt alle noch mal raus wollten. Aber mussten den alle heute in den Zoo gehen?

Jetzt standen sie hier ungefähr 40 Minuten vom Zooeingang getrennt. Mehrere Warteschlangen wollten nach Möglichkeit zuerst Eintritt bekommen. „Wie wäre es, wenn wir uns verteilen? Jeder geht in eine andere Reihe. Und wer am schnellsten ist, dort kommen wir zusammen und zahlen, okay?“ Gute Idee, fanden seine Begleiterinnen, man beratschlagte, welche drei Schlangen am schnellsten voran kommen würden.

Und so standen sie sich die Füße in den Bauch, mal im kalten Schatten, dann wieder in der wohltuenden Mittagssonne. Immer wieder Blickkontakt. Wo ging es denn nun am schnellsten voran? Natürlich in der Schlange, in der sie alle drei nicht standen. Aber das hatte er vorher schon geahnt. In seinem Alter war ihm klar, dass man sich immer für die falsche Schlange entschied. Und in seinem Alter war ihm auch klar, dass das trotzdem einen Sinn haben könnte. Der ihm natürlich aktuell verborgen blieb.

Verkäufer trugen Bretzeln vorbei, Bretzeln preisten sie an, dann war die Rede von Knut-und-Lars-Bretzeln. Dadurch wurden sie wahrscheinlich um mindesten 50 Cent teuer, mit Sicherheit für einen guten Zweck, sprich den Bretzelbäcker.

Seine Schlange war dann die zweitschnellste, seine Begleiterinnen fanden sich wieder bei ihm ein. Nur noch ungefähr 4 Familien waren vor ihnen. Das könnte jetzt höchstens noch fünf Minuten dauern.

Da fiel ihm eine Geschichte von früher ein. Wenn sie aus dem Schwimmbad gekommen waren. Mit dem Rad vom Müngersdorfer Stadion zurückfuhren. In Ehrenfeld beim Strohhut Pause machten. Die mindestens beste Frittenbude Deutschlands aufsuchten. „Und dann standest Du da, nur noch zwei Leute vor Dir. Und der vor Dir, der bestellt auf einmal 20 Portionen Pommes Frites! Könnt Ihr Euch vorstellen, wie lang das gedauert hat, 20 Portionen Fritten? Seitdem sag ich immer: Ihr seht niemanden an, wieviele Portionen das sind. Hihihi.“ Er lachte heftig, während seine Begleiterinnen wohlwollend grinsten, weil, sie kannten die Geschichte, die war nun nicht wirklich neu.

So, noch eine Person stand vor Ihnen. „Reiseleiter“ hörten sie ihn sagen. „Bus“ verstanden sie. Er hatte einen kompletten Bus, 90 Eintrittskarten bräuchte er.

Gut, dass es nicht 90 Portionen Fritten sind, dachte er bei sich.

Bei aller Optimierung hatten sie es geschafft, in der langsamsten aller weltweit langsamen Zoo-Schlangen zu stehen. Wer weiß, wozu es gut war. Alles hat irgendwie seinen Sinn. Und Zufälle gibt es nicht…

© Ulf Runge, 2007

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