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Leben 96 – Freitag, 05.10.07 – Wenn die Lokführer streiken
Okay, sie werden heute nur drei Stunden streiken, wenn sie streiken, weil sie streiken, wenn das zuständige Gericht in Chemnitz die Klage der Bahn auf Einstweilige Unterlassung vielleicht abgewiesen haben sollte.
Drei Stunden von acht bis elf. Das ist nicht viel. Aber das ist nahezu der gesamte Schienenverkehr in Deutschland, Güter und Personen. Wenn ein Zug auf der Strecke stehen bleibt, dann geht auch für die anderen nichts mehr, ob sie streiken wollen oder nicht. Und bis alles wieder läuft, gehen bestimmt noch einmal drei Stunden ins Land. Vermute ich mal.
Ob der Streik berechtigt ist? Ob er fair ist? Ob vermeidbar, sprich überflüssig? Alles Fragen, auf die ich wohl kaum eine Antwort weiß.
Wonach soll man denn heute bezahlen? Sollen die am meisten bekommen, die am leichtesten das Land lahm legen können? Dann sollten die Lokführer wohl am meisten bekommen. Oder eher die Polizisten, weil, wenn die ihre Pistolen und Wasserwerfer… Wie wäre es mit den Flugzeugpiloten, die wenn sie nicht genug bekämen, nö, das will ich jetzt gar nicht zu Ende denken – Und die Soldaten als Top-Verdiener?
Aber das könnte schon ein Bezahlungsmodell sein: Wer am meisten erpressen kann, der verdient auch maximal…
Schon witzig, dass man sich über die 30%-Forderung der Lokführer mokiert. Wenn es denn angemessen wäre, was wäre denn dagegen zu sagen? Außer, dass es uns alle teuer zu stehen kommen würde. Und wir höchstens sagen könnten, dass wir Glück gehabt haben, dass die nicht schon früher so viel verdient haben.
Wenn man nur wüsste, wie man angemessen bezahlt. Früher hieß es, lerne was, dann wirste was, Das haben sich die vielen arbeitslosen Akademiker auch gedacht. Nicht aber, dass sogar sie auch mal auf der Straße stehen könnten.
Dann gibt es so ein paar ungerechte Parameter bei der Gehaltsfindung: Mann sein, z.B.
Leistung zählt. Wie aber misst man die Leistung von zwei Mitarbeitern, die Ähnliches, aber nicht das Gleiche tun? Demjenigen mehr geben, der schneller ist? Oder dem, der die Kunden glücklich macht, koste es, was es wolle?
Doch die Frage der Lokführer ist ja gar nicht die nach gerechter Bezahlung, sondern nach einem angemessenen Tarif, einem eigenen noch dazu.
Es wäre in der Tat spannend, mal einen Ehrenkodex für die Angemessenheit von Tarifen zu entwickeln, in den möglichst viele Gerechtigkeits-Parameter wie Leistung, Zuverlässigkeit, Kenntnisse, Erfahrung, Gesundheitsvorsorge, insbesondere aber auch Angebot und Nachfrage für das jeweilige Berufsbild eingehen. Diese Idee ist meilenweit weg von kommunistischer und sozialistischer Gleichmacherei. Aber natürlich eine Idee, die wohl nicht mehrheitsfähig ist bei denen, die die Macht haben, in den Parlamenten, den Verwaltungen und in der Wirtschaft.
Machen wir uns nichts vor! Das ganze ist ein Verteilungskampf.
Deshalb bezweifle ich die Chancen für einen Tarif-Ehrenkodex, an den sich Partner in der Wirtschaft und in den Verwaltungen gebunden fühlen würden. Auf freiwilliger Basis.
Aber träumen, das darf man ja doch…
© Ulf Runge, 2007


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