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Leben 74 – Mittwoch, 05.09.07 – Verzücktes Lächeln & Keine Selbstbedienung

Verzücktes Lächeln

Fahrenden Autos blicke ich durch die Frontscheibe. Meine Augen folgen dem entgegen kommenden Golf, eine Fahrerin mit gelocktem Haar lächelt. Nein, sie lächelt nicht mich an. Sie lächelt vor sich hin, nur vor sich hin. Verzückt! Sie lächelt einfach nur verzückt. Ist mit ihrem Lächeln ganz bei sich allein.

Hat an etwas Schönes gedacht. Vermutlich im Radio was Nettes gehört. Sich an Angenehmes zurück erinnert. Verzückt gelächelt.

Sie hat nur für sich lächeln wollen. Niemanden damit anstecken. Hat sie aber. Jetzt lächle ich auch vor mich hin. Nur für mich. Verzückt! Lächle, bin froh, dass jemand anders einfach so lächelt, ohne Absicht.

Wie wäre es, wenn wir öfter lächeln würden? Einander anlächeln. Oder einfach nur so für sich lächeln. Aber Vorsicht: Es könnte auf jeden Fall ansteckend sein.

Keine Selbstbedienung

Markttag. Kurz vor der Arbeit noch ein paar Paprika kaufen. Da entdecke ich einen Kollegen beim Obst, sehe, wie er sich ein paar Äpfel aussucht. Zwei hat er sich schon genommen und er überlegt, ob er noch einen weiteren herausfischen soll.

„Hier ist keine Selbstbedienung!“ rufe ich ihm lautstark zu. Der Gemaßregelte zuckt kurz zusammen, um mich dann, inzwischen meine Stimme erkannt habend, von der Seite anzulächeln.

„Natürlich ist hier Selbstbedienung!“ ruft uns die Marktfrau zu, mit einem freundlich-bestimmten Lächeln, das in ein heiter-erleichtertes Lachen übergeht, als sie sieht, dass wir uns kennen, dass alles nur Spaß ist.

Äpfel und Paprika sind schnell gekauft, wir wünschen uns einen allseits guten Tag, starten aufgeräumt in unseren Alltag.


© Ulf Runge, 2007

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  1. 6. September 2007 um 00:33

    Mit einem Lächeln den Tag zu beginnen und ihn auch mit einem Lächeln zu beenden – das ist eine feine Sache.
    In diesem Sinn schicke ich dir, lieber Ulf und einen Kommentatoren eine gute Nacht und begebe mich jetzt ins Bett.
    Und im Bettchen werde ich jetzt gleich mit Wonne wieder in einem Roman von Marlen Haushofer schmökern. Ein Genuss, die Bücher von dieser Frau – kann ich nur jedem (Schreiberling) empfehlen. Große Literatur!!!

  2. Ulf Runge
    6. September 2007 um 01:09

    Liebe Renate,
    danke noch einmal für den Tipp mit der “Wand”.
    Ich nehme mir vor, im September damit anzufangen… ;-)
    Eine gute Nacht mit Marlen wünscht Dir Ulf

  3. 9. September 2007 um 22:57

    Es war einmal ein Chef, der sagte: “schlechte Laune ist ein Kündigungsgrund; sie ist nämlich ansteckend” (eine wahre Begebenheit!). Ich halte dagegen, gehen wir einfach lächelnd durch die Gegend, DAS ist ansteckend (da geb ich Dir völlig recht, Ulf)…:-) Es passiert mir immer wieder, dass Menschen ganz überrascht und zaghaft zurücklächeln; sie fragen sich, kenn ich die? was will sie von mir? warum lächelt sie? lacht sie mich aus? hab ich da was im gesicht? NEIN, Leute, ich lächel Euch einfach nur an…Ihr könnt ganz beruhigt und ohne Hintergedanken zurücklächeln…

  4. Ulf Runge
    11. September 2007 um 00:07

    Ja, Andrea, genau das ist es,
    ohne Hintergedanken zu Lächeln,
    und die anderen entdecken zu lassen,
    dass zurücklächeln etwas ganz natürliches sein kann.

    Lg, Ulf

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