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Leben 70 – Samstag, 01.09.07 – Für meine Mitleser

1. September 2007 4 Kommentare

Ich sitze zu Hause. Vor meinem Laptop. Schreibe.

„Schreibst Du wieder?“, werde ich von der Seite angesprochen. Wenn man den Zustand des bewegungslos vor dem PC Sitzens als Schreiben bezeichnen darf, dann würde ich „Ja“ antworten.

Ich antworte: „Ja.“ Das ist zugegebenermaßen nicht gerade die Einladung zu einem längeren Gespräch. Wovon sich meine Gesprächspartnerin aber nicht entmutigen lässt.

„Was schreibst Du denn?“ „Weiß ich noch nicht.“ „Dann lass ich Dich besser in Ruhe.“ Nö, ist schon okay. Sag man, was kann ich denn für Dich… ?“ verstumme ich, als ich in den leeren Raum gucke.

Und dann gibt es Tage, da wollen die Worte schneller heraus, als die Finger schreiben können. Dann „raucht“ die Tastatur sozusagen. Und dann sitzt plötzlich wieder jemand neben mir und liest mit. Wobei ich dann schon meinen dringendsten Gedanken zu Ende bringe, und dann zu meiner Mitleserin augenzwinkernd sage: „Man soll nichts Halbfertiges zeigen oder angucken!“

Für diese Fall also, dass meine Tätigkeit auf wohlwollendes Interesse stößt, ohne dass ich etwas total Unausgegorenes preisgeben will, habe ich mir gedacht, dass ich dann mal kurz mein Schreiben unterbreche und genau diesen Text, diesen Text „Für meine Mitleser“, auf den Monitor lade.

Wenn ich etwa im Zug sitze, so wie jetzt, dann wäre das auch ganz praktisch. Gerade wenn jemand neben mir sitzt und mitliest. Aus aufgeschlossener Neugierde oder interessierter Anteilnahme. Und sich fast die Zunge abbeißt, um mich dann doch nicht zu fragen: „Sie schreiben? Was schreiben Siedenn?“

Aber wie gesagt, diese Fragen werden ja in der Regel nicht gestellt, statt dessen versuchen zwei unauffällig schielende Äuglein, diesen Text der Schriftgröße 11, unentdeckt bleiben wollend, zu entziffern. Entziffern ist eigentlich nicht ganz richtig, entzeichen oder entbuchstaben müsste es wohl besser heißen, oder?

Falls Sie also mal neben mir sitzen, im Café oder im Zug, wundern Sie sich nicht, dass ich meinen soeben begonnenen Text erst einmal wegsichere, um danach diesen hier zu laden. So bekommen Sie einen halbwegs vernünftigen ersten Eindruck von meinem Schreiben. Falls ich Ihnen beim Lesen des Textes zu schnell oder zu langsam vorblättere, können Sie mich auch mit „Weiter“ oder „Zurück“ ansprechen. Am liebsten aber mit meinem Namen, ich bin der Ulf Runge, und weitere Text von mir finden Sie unter http://ulfrunge.wordpress.com.

© Ulf Runge, 2007

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