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Leben 49 – Donnerstag, 09.08.07 – Meine Musik
Ich liebe Musik. Nur schön muss sie sein. Also meinem Geschmack entsprechen. Aha! Ja, ich soll jetzt natürlich hier auch gleich bekennen, was – für mich – schöne Musik ist. Oh, ist das schwer.
Schöne Musik. Das kommt auf den Anlass an. Wenn ich tagsüber unterwegs bin, dann darf es Popmusik sein. Verkehrfunksendermusik. „Das beste aus den 80ern, 90ern und von heute…“ In meinem Sendegebiet hauptsächlich SWR3 und FFH.
Abends liebe ich es, mich von SWR1 Rheinland-Pfalz unterhalten zu lassen. Etwa die Sendung „Kopfhörer“, bei der die Musik meiner Jugendzeit, ergänzt um anspruchsvolle redaktionelle Texte, zu mir herüber transportiert wird. Erinnerungen aufkommen lässt, ja natürlich auch verklärte Erinnerungen. An eine unbeschwerte Jugend, die aus meiner damaligen Sicht vielleicht nicht so leicht war wie sie mir heute erscheinen mag. Heute zum Weltkatzentag höre ich „Katzenmusik“ von Al Stewart (Year of the cat) und anderen, u.a. Elton John.
Live-Musik! Ich hoffe, ich vergesse niemanden von den Größen, die ich live erleben durfte.
Dave Brubeck, den ich vor wenigen Jahren noch live sehen durfte mit seinem Ensemble, dessen „Take Five“ zu hören mir immer wieder ein Genuss ist.
Mr Acker Bilk, den ich als Schüler in den Kölner Messehallen erleben durfte, der auf einem Podest stand, an das man ganz dicht ran durfte, dessen Schweiß von der Stirn nur ganz knapp an mir vorbei tropfte; meine Liebe zur Klarinette habe ich spätestens bei diesem Konzert entwickelt; „Stranger on the shore“ ist einfach schön, Klarinettenmusik von diesem Mann ist einfach nur bezaubernd.
Giora Feidman, den ich zweimal erleben durfte mit seiner betörenden Klezmermusik – wieder sind es die Klarinette und die Spielfreude, die zusammen den Genuss für mich ausmachen.
Spencer Davis Group, für mich der absolute Knüller aus den Sechzigern, heute noch, Spielfreude pur, ein Abend, an dem ich fast nur hüpfe, springe, wippe. Schon sechsmal durfte ich Gast bei diesem Ensemble sein, und sie machen noch jedes Jahr ihre Tour durch Deutschland. Geheimtipp! Wirklich! Beim letzten Mal habe ich mir sogar gesagt, egal was andere denken, ich werde zum Groupie, bin in die Umkleide, habe mir von allen ein Autogramm geben lassen. War wieder ein kleiner Junge. Der, der die Spencer Davis Group in den Sechzigern das erste Mal im Kaufhof-Zelt in Köln gesehen hat und seitdem eine ganz besondere Liebe zu dieser Musik entwickelt hat.
Ten Years After, die spielen (wieder) zusammen, die touren (wieder) durch die Lande. Habe ich dieses Jahr zum ersten Mal live gesehen. Wurde wirklich Zeit. Wie bei Spencer Davis: Die Alten können es noch, den Alten macht es wirklich gigamäßig Spaß!
Vor wenigen Jahren durfte ich Candy Dulfer mit ihrer Band Funky Stuff erleben! Wer jemals eine Eintrittskarte für diese exzellente Musikerin bekommen kann, der nutze die Chance. Wer weiß, ob es ein zweites Mal gibt. Ihre CDs sind spitze, sie und ihre Band sind ein homogenes Ganzes aus erstklassigen Individualisten
Und wer mal einen virtuosen “Klavierabend” erleben möchte, der gehe unbedingt zu Axel Zwingenberger und höre sich seine Boogies an. Da hält einen (fast) nichts mehr auf einem sitzbestuhlten Konzertsaal!
An dieser Stelle ein besonderer Dank an “Die Veranstalterinnen” in Bensheim, die die Musikszene in der Region so rührig beleben!
BAP, die durfte ich einmal live erleben, das ist verdamp lang her, und aus verschiedenen Gründen für mich wie gestern. Wer seine Jugend in Köln verbracht hat, zu einer Zeit, als BAP entstand, als sie die Grenzen des kölschen Sprachraums überwanden, für den ist BAP ein Teil seiner selbst. Klasse Musik, schöne und auch sehr ernsthafte Texte.
Wer die Welt kennen lernen will, schöne Menschen, vor allem interessante Menschen sehen möchte, musizieren sehen möchte, hören, vor allem aber hören möchte, wie erstklassige Einzelinterpreten ein Eines bilden, ein akustisches Gesamtkunstwerk, der besuche die „17 Hippies“. Hatte schon zweimal das Glück. Wiederhole ich gerne noch ein weiteres Mal.
Ohne Anspruch auf Vollständigkeit: Katja Riemann Oktett, gehört und gesehen im vergangenen Jahr, die ist besser als ihre Kritiken, sie und ihr Ensemble bieten anspruchsvolle Unterhaltung und machen hörenswerte Musik. Aziza Mustafa-Zadeh, perfekte Klavier- und Gesangeskunst, leider nicht meine Musik; das ist jetzt ca. zwei bis drei Jahre her. Und vor knapp zehn Jahren durfte ich Marianne Rosenberg als Überraschungsgast eines Events erleben: Klasse! Anfang der 90er: Die Toten Hosen; die Musik war nicht schlecht, das Publikum hat mich nicht angesprochen. In den 80ern: Ein gemeinsames Konzert von Eric Burdon und Udo Lindenberg in Böblingen. Zwischen 1971 und 1976 in München: Pink Floyd, Joan Baez, Fredl Fesl, Insterburg & Co. Ende der 60er in Köln: Ashton, Gardner & Dyke mit ihrem legendären “Resurrection Shuffle”, stundenlang immer wieder neu hörbar…
Schön war das damals, alles auf seine Art.
Ohne mich zu schämen, gestehe ich, dass ich einen wunderschönen, sehr unterhaltsamen Abend Mitte der 90er mit Marianne und Michael verbringen durfte. So ein Volksmusik-Abend, wie man es aus dem Fernsehen kennt. Nein wirklich, das war erstklassige Unterhaltung, von allen Künstlern, kurzweilig, lebenslustig. Das haben sie gut gemacht. Auch wenn es nicht der Geschmack ist, den ich auf CDs habe oder im Radio höre.
Jetzt fehlt noch eine Ecke, definitiv. Die klassische Musik. Oh, ich liebe Mozart. Oh, ich höre auch gerne Beethoven, Chopin und Puccini. Aber nicht so nebenher, so im Hintergrund. Am liebsten also im Konzert. Mit geschlossenen Augen. Damit sind wir wieder bei der Live-Musik. Ich durfte zweimal Monserrat Caballet erleben, eine unbeschreiblich ausdrucksstarke Sängerin und sympathische Frau, und einmal José Carreras, wobei die Umstände seinerzeit etwas zu ungünstig waren, um zu sagen, dass dieses Konzert für mich ein Genuss war. Das lag aber nicht unbedingt am Künstler.
Und dann fehlt in meiner Liste hier noch das Radio-Symphonie Orchester Stuttgart, insbesondere unter der Leitung von Sergiu Celibedache. Soviel Mensch, soviel Ausstrahlung als Dirigent, diesen Menschen konnte man nur verehren, darauf hoffen, ihn noch ein weiteres Mal erleben zu dürfen, und noch einmal, bis er sich dann leider für ein anderes Orchester entschied.
Vom großen Sergiu Celibedache fällt mir kein wirklich guter Übergang ein zu mir selber ein, aber zu meiner Musik, zu meinem Musizieren will ich dann doch noch kurz was sagen. Im Knabenlyzeum wurden wir verdonnerst, ab der Sexta Blockflöte zu spielen. Grässlich. Peinlich. War das damals für mich. Heute bin ich froh, dass ich (etwas) Noten lesen gelernt habe und ein Blasinstrument greifen kann. Das dritte Tor für England war zu dieser Zeit noch nicht gefallen.
Ein netter Nachbar hat mir Jahre später dann noch ein paar Akkorde auf der Gitarre beigebracht. Da hab ich mich schon ein bisschen toll gefühlt. Aber nur ein bisschen toll. Diese Musik blieb dann doch nur was für’s Kämmerchen. Es war die Zeit, als „wir“ in München Fußballweltmeister wurden.
Und dann habe ich in den 80ern als Erwachsener den Entschluss gefasst, Klarinette zu lernen. Das habe ich auch eine Zeitlang betrieben, habe sogar ein bisschen das Transponieren von Noten dabei gelernt und geübt, aber es ist dann doch eingeschlafen. Ich glaube, das werde ich noch einmal wieder anfangen.
Singen? Pfeifen? Nicht wirklich. Macht mir selber schon etwas Spaß. Aber nicht wirklich meiner Umwelt. Wenn ich denn mit dem Hund unterwegs bin, dann müssen er und die Maisfelder meine Trällerei ertragen.
Soviel heute zu meiner Musik.
Was meine Lieblingsmusiker aus dem Radio sind und welche es bis zu mir nach Hause auf Schallplatte, Tonband, CD oder DVD geschafft haben, dazu ein anderes Mal.
© Ulf Runge, 2007


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