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Leben 40 – Dienstag, 31.07.07 – Über den Urlaub
Sonnenuntergang auf Öland
Es ist ein Privileg und ein Grund dankbar zu sein, wenn man gesund ist. Es ist ein Privileg und ein Grund dankbar zu sein, wenn man etwas lernen durfte und Arbeit hat. Im Urlaub wegfahren zu dürfen, neue Eindrücke zu gewinnen, die Schönheit der Andersartigkeit anderer Menschen entdecken zu dürfen, das ist erst recht ein Privileg und ein weiterer Grund dankbar zu sein.
In den Tagen vor dem Urlaub fragt man sich, ob es überhaupt einen Sinn hat, Urlaub zu machen, weil er oft hart erarbeitet sein will. Eiliges und Angebranntes soll nun doch noch fertig werden, widrige Umstände, die in Monaten nicht überwunden wurden, sollen nun in Tagen aus dem Wege geräumt werden.
Nach dem Urlaub? Ist es da anders? Stellt sich da nicht auch die Frage, ob man besser da geblieben wäre? Man könnte es gleichmäßiger haben ohne Urlaub. Nicht wirklich, oder?
Um es mal leistungsorientiert auszudrücken: Urlaub hat das Ziel, dass man am Ende erholt ist. Basta! Okay, kann sein, dass bereits der erste Arbeitstag massiv an diesem eventuell erreichten Ziel knabbert.
Urlaub scheint ja wohl „notwendig“ zu sein, weil wir uns in der arbeitsfreien Zeit zunehmend weniger erholen und irgendwann ein Zustand erreicht ist, bei dem andere zu uns sagen: „Ich glaube, Du bist urlaubsreif!“ Etwas, was man selber schon ahnte, ja wusste, jetzt kommt auch noch die charmante Bestätigung von dritter Seite.
Es hat was von Silvester. Die letzten guten Vorsätze für das neue Jahr werden geschmiedet. Weniger essen, nicht mehr rauchen, weniger Alkohol, was gibt es sonst noch für Laster, von den man lassen könnte? Silvester scheint zu kurz zu sein, um diese Vorsätze tief genug (also „nachhaltig“) zu verinnerlichen. Deshalb macht man ein paar Tage, vielleicht auch ein paar Wochen Urlaub, stellt sich ein riesiges „Stop“-Schild in den Raum und ruft „Halt! Ich will jetzt erst mal nachdenken, wie ich in Zukunft weiter mache.“
(An dieser Stelle sei bemerkt, dass die Rechtschreibreform mit dem Doppel-„P“ in „Stopp!“ die Straßenverkehrsordnung nicht erreicht zu haben scheint. Ich stelle mir gerade die harten Diskussionen der Enquete-Kommission aus Vertretern der Verkehrs- und Kultusministerien vor, die morgens um 4.00 Uhr die Kompromissformel zum Ergebnis haben, dass es sich bei besagtem Schild um ein englisches Verkehrszeichen handle, das nicht unter die Rechtschreibreform falle.)
Natürlich macht man auch Urlaub, weil die Kindergärten zu machen. Vier Wochen im Sommer. Und noch ein paar weitere Tage im Jahr. Oder die Schulen. Sechs Wochen im Sommer. Und Weihnachten, Ostern und sonst noch ein paar Tage. Da ist es gut, die Kids sinnvoll zu beschäftigen. Müde machen durch Sport, etwa Schwimmen, Ball spielen. Geographie- und Biologie-Lücken schließen, indem man bis zum Umfallen „Stadt-Land-Fluss“ spielt. Englisch-Lücken schließen durch einen Trip (wird der jetzt auch mit Doppel-„P“ geschrieben?) nach London oder eine Reise ins nicht deutschsprachige Ausland. Dabei kann es einem passieren, dass der Fischverkäufer hinter der Theke mitten im Satz vom Englischen ins Deutsche wechselt und sich outet: „Mit mir können Sie auch deutsch sprechen!“ Zur Absicherung von Orthographie-Kenntnissen bietet sich Boggle an, eines der kreativsten Spiele zum Umgang mit Sprache, das ich kenne. Vorsicht aber: Beim Schütteln der Buchstaben am Anfang einer jeden Spielrunde empfiehlt es sich, nicht nachts um Zwölf auf einem Camping-Platz zu sein.
Wie mein Urlaub war? Erholsam. (Ziel erreicht!) Die Idee für ein ganz spezielles Reisetagebuch steht konkret im Raum, mal sehen was draus wird. Das Schreiben geht weiter, seit heute auch wieder in diesem Blog.
Fotos habe ich viele geschossen. Obwohl ich unverrückt der Meinung bin, dass unbebilderte Worte am intensivsten die Phantasie anregen, so will ich doch zukünftig versuchen, auch hiermit ein bisschen zu experimentieren.
Wie immer freue ich mich über Feedback. Danke.
© Ulf Runge, 2007


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