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Leben 39 – Mittwoch, 04.07.07 – Mein Schweden

Schweden ist groß. Wie groß, dazu habe ich mal eine schöne Vorstellungshilfe gehört: Man klappe Schweden an seiner Südspitze einmal nach unten: Schwedens nördlichster Punkte kommt bei Sizilien zum liegen. Mit diesem Beispiel im Kopf ist Schweden für mich noch größer geworden als es vorher schon in meiner Vorstellung war.

Wer Schweden kennen will, sollte auch schon mal nördlich von Stockholm gewesen sein. War ich nicht.

Wer über Schweden richtig Bescheid wissen will, der sollte auch schon mal im Winter dort gewesen sein. Nein, nicht wegen Schnee und Eis, sondern wegen dieser tiefen, depressivitätsfördenden Dunkelheit. Der Preis für lange Sommerabende und –nächte sei die dämmernde Dunkelheit, die von 11 Uhr bis nachmittags um Drei unterbrochen wird, zumindest an freundlichen Wintertagen, bisweilen aber auch nur in ein trübes Grau wechselt. Sagen unsere Freunde. Unsere schwedischen Freunde. Und warnen vor spontanem Auswandern in dieses unerschöpfliche Paradies, doch langsam… Auch hier muss ich passen. Den schwedischen Winter kenne ich auch noch nicht.

Über was berichte ich hier, wenn ich dergestalt viel (noch) nicht kenne? Okay, ich schreibe über „Mein Schweden“.

Ich kenne zwei schöne Wege, mit dem Auto nach Schweden einzureisen. Der eine ist über Dänemark und die phantastischen Brücken über den Großen Belt (Store Belt) und über den Öresund. Etwas schneller ist man nach meiner Einschätzung über die Fehrmarnbrücke, die Fähre Puttgarden-Rödby und nach kurzer Fahrt durch Dänemark, vorbei an Kopenhagen, die Fähre von Helsingör nach Helsingborg.

Egal wie, kaum bist Du in Schweden angekommen und hast Malmö oder Helsingborg verlassen, machst Du eine besondere Feststellung: Auto fahren in Schweden ist Genuss pur. Relativ leere Straßen, großzügig ausgebaut, in gutem Zustand, bisweilen dreispurig, manchmal auch Autobahnen.

Keine Raser! Auch Deutsche sind hier in der Lage, sich an Geschwindigkeitsregeln zu halten, selbst wenn sie eilig haben. Doch das schönste ist die Natur, die beim Fahren vorbeifliegt, laufend zum Rast machen einlädt. Schnurgerade Straßen, Wälder, Mischwälder, oft dominiert von Nadelhölzern. Seen, Seen in allen Größen und Formen. Stundenlang bewegt man sich durch ein Farbenspiel aus grünen Blättern, Nadeln und Wiesen, ein Farbenspiel mit blaugetönten Wasserflächen, die an einem strahlend hellen Sommertag bis zum weiß-blauen Himmel reichen wollen. Gelbe und bräunliche Farbtupfer runden dieses Naturschauspiel ab.

Etwas fehlt noch: Rotbraune Holzhäuser. Immer wieder sieht man diese einfachen, vom gleichen Architekten entworfenen, alle einander ähnelnden Behausungen, Wochenendhäuser sind es, Stallungen fürs Vieh, ganz normale Wohngebäude für ganz normale Menschen. Bisweilen sind diese lieblichen Häuschen auch mal in blau gestrichen, seltener in grün, am liebsten und eigentlich fast immer in rotbraun.

Es gibt auch richtige Siedlungen. Dörfer, Städte, Großstädte, Angst, Gewalt, Armut, Dreck, Verbrechen. Wir haben da bisher immer Glück gehabt und hoffen, dass uns diese guten Erfahrungen weiterhin begleiten werden.

Dort, wo Menschen wohnen, gibt es auch Geschäfte. Und viele, insbesondere Lebensmittelsupermärkte, auf dem Land, sind auch am Sonntag „öppet“. Mindestens von 9 bis 16 Uhr. Oft auch bis abends um Acht. Das vermisse ich in Deutschland. Es ist nichts außergewöhnliches in so einem Kleinstsupermarkt nur eine Person anzutreffen, die den Laden schmeißt, und die Mitte 60 und älter ist. Warum nicht auch in Deutschland?

Vorurteile:

1.   In Schweden ist es kalt.

2.   In Schweden ist es teuer.

3.   Schwedische Frauen sind schön.

Zu 1.: Nein. Der Sommer ist glücklicherweise nicht so heiß wie in Spanien oder in Italien. Und die Ostsee ist sicherlich an manchen Stellen etwas kühler als das Mittelmeer. Ein Sommer mit 24°C bis 28°C, manchmal noch heißer, ist aber auch nicht zu verachten, oder. Uns reicht das für den Urlaub.

Zu 2.: Nein, man kann auch in Schweden preisgünstig durchkommen.

Zu 3.: Hier ein Trost für die Frauen: Schwedische Männer auch…

 

Und das schönste von allem: Mein Schweden war. Viermal schon. War es wahr. Ein fünftes Mal steht vor der Tür. Davon wird zu berichten sein…

Bis Ende Juli grüßt Euch

Ulf

 

© Ulf Runge, 2007

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